MARIN - Zuchtbericht


Nannostomus anduzei

Erste Erfahrungen aus der Pflege und Zucht von Anduzes Zwergziersalmler

© Text und Fotos : Dieter Bork

 

Innerhalb der Familie der Schlanksalmler, Lebiasinidae, umfaßt die Gattung Nannostomus derzeit 15 wissenschaftlich beschriebene Arten. Im aquaristischen Fachhandel werden jedoch meist nur sechs Arten angeboten : N. beckfordi, N. harrisoni, N. marginatus, N. trifasciatus sowie die beiden Schrägsteher - Arten N. eques und N. unifasciatus. Zwei Arten, nämlich N. britskii und N. limatus, blieben bisher in der Aquaristik völlig unbekannt. Über ihr Aussehen bzw. ihre Färbung wissen wir so gut wie nichts. Die restlichen Arten sind zwar aquaristisch leidlich bekannt, jedoch im Fachhandel mangels entsprechender Importe kaum einmal erhältlich.

Von Nannostomus digrammus und N. anduzei gelangen gelegentlich einige wenige Tiere als Beifänge nach Europa. N. anduzei kommt zuweilen in Gemeinschaft mit dem Blauen Neonfisch, Paracheiroden simulans, in den Fachhandel. Oft genug werden die Tiere wegen ihrer geringen Länge von maximal nur 1,8 cm übersehen. Mit dieser Gesamtlänge ist N. anduzei die kleinste Art der Gattung. FERNANDEZ & WEITZMAN beschrieben 1987 diesen hübschen Zwergziersalmler zu Ehren von Dr. Pablo Anduze. Sie dankten ihm damit für seine intensive Unterstützung bei der

 

Männchen von Anduzes Zwergziersalmler, Nannostomus anduzei, in seiner Normalfärbung.

Erforschung der Fischfauna im südlichen Venezuela. Die Belegexemplare dieser relativ neuen Art stammen aus einer Sammlung in einer Klarwasserlagune etwa 15 km nördlich von Puerto Ayocucho im Bereich des oberen Rio Orinoco. Die Temperatur in dieser Lagune betrug nahezu 30°C, der pH - Wert schwankte lokal zwischen 5,0 und 7,0.

Ein zweiter Fundort wurde im nördlichen Brasilien bekannt. WEITZMAN erhielt im Frühjahr 1987 eine Sammlung von Fischen aus dem Gebiet des Rio Madeira und des Rio Negro zur Identifizierung. Ein Teil dieser Tiere gehörte Nannostomus anduzei an. Diese Tiere wurden im Gewässer eines Savannengebietes im Einzugsgebiet des Rio Negro gesammelt. Bei diesem Gewässer handelte es sich um einen Teil des Rio Ererê, der von Norden kommend, etwa 250 km nordwestlich der Mündung des Rio Branco in den mittleren Rio Negro mündet, noch vor der Einmündung des in letzter Zeit durch Zwergcichlidenfänge bekannt gewordenen Rio Padauari. Bei diesem Fundort handelt es sich um ein Schwarzwasserbiotop. Die Tiere aus dem Gebiet um Puerto Ayocucho unterschieden sich in der Färbung nicht von den Tieren aus dem Gebiet des Rio Ererê in Brasilien. Bei den Männchen der brasilianischen Form ist jedoch die Afterflosse deutlich länger als bei den Tieren aus Venezuela. Abweichend von allen anderen Nannostomus - Arten zeigt N. anduzei in der Nachtfärbung keinerlei dunkle Flecken - oder Balkenzeichnungen. In der Nachtfärbung wirken die Tiere seht transparent und zeigen darüber hinaus nur einen leicht goldenen Glanz. Das Rot in der Afterflosse und in der Schwanzflossenbasis ist dann ebenfalls nur noch andeutungsweise vorhanden.

Die als Beifänge nach Europa eingeführten Tiere stammen wahrscheinlich ausschließlich aus dem Einzugsgebiet des Rio Ererê. Für die Pflege von Nannostomus anduzei reichen bereits Kleinaquarien von 10 bis 30 l Inhalt aus. Bei einer Gesamthärte von 10 °dGH und einem pH - Wert um oder leicht unter 7,0 lassen sich die hübschen Tiere bei etwa 27 °C problemlos pflegen. Als Futter eignet sich, bedingt durch die geringe Größe der Tiere, gesiebtes Tümpelfutter, gelegentlich kleine Grindalwürmchen oder vorwiegend Artemia - Nauplien. Zusätzlich kann von Zeit zu Zeit feines Trockenfutter angeboten werden.

Bei der Pflege eines kleinen Schwarms von sechs bis zwölf Tieren unter den genannten Bedingungen im Artenbecken wird man bald die ersten Balzversuche der Männchen beobachten können. Hier sind es besonders die dominanten Männchen, bei denen die große Afterflosse sowie die Basis der Schwanzflosse blutrot aufleuchten. Das goldene Längsband wird von einem zarten hellen Grün überlagert, und der bräunliche Rücken sowie das ebenfalls bräunliche Band unterhalb der goldgrünen Längsbinde verfärben sich in ein Graubraun. Spätestens bei diesen Beobachtungen stellt sich die Frage einer Nachtzucht dieser ebenso seltenen wie hübschen Pfleglinge.

Obwohl ich sehr oft die Balzspiele beobachten konnte, habe ich die Tiere nie ablaichen sehen. Aus diesem Grund habe ich mich zu einem Ansatz im Schwarm von vier Männchen und sechs Weibchen entschlossen, Tiere, die ich inzwischen alle aus Importen von Paracheiroden simulans ausgelesen hatte. Zu diesem Zweck wurde ein 8 - Liter Becken hergerichtet.

Links :

Weibchen von Nannostomus anduzei in Normalfärbung.

Rechts :

Nachtfärbung von N. anduzei, hier ein Männchen. Es fehlen jegliche Balken - oder Fleckenzeichnungen, wie es sonst für die Nachtfärbungen von Nannostomus - Arten üblich ist.

Zwei Drittel des Beckens wurden dicht mit Javamoos ausgepolstert, die Wasseroberfläche mit Ceratopteris abgedeckt. Das verwendete Quellwasser hatte einen pH - Wert von 6,3, die Gesamthärte betrug 2 °dGH. Für zehn Tage beließ ich die Tiere im Ansatz. Täglich wurde mit Artemia - Nauplien gefüttert. Die Futterreste sammelten sich im vorderen, hellen Teil des Ansatzbeckens und wurden jeden zweiten Tag vorsichtig abgesaugt. Frisches Quellwasser ersetzte das mit dem Absaugen entfernte Beckenwasser. Drei Tage nach dem Herausfangen der Zuchttiere konnte ich den ersten winzigen Jungfisch an der Scheibe hängen sehen. Er ließ sich auf diese Weise auch direkt an der Scheibe vermessen und wies bereits eine Länge von 3 mm auf, hatte eine grauweiße Färbung und war sehr dünn. Das Kopfende mit dem gut erkennbaren Auge ( Vergrößerungsglas ) war deutlich verdickt. Vorsichtig wurden jetzt jeden zweiten Tag ein oder zwei Tropfen Liquifry mit dem Finger im Zuchtbecken verwirbelt.

Links :

Vier Wochen alter Jungfisch von Nannostomus anduzei. Der untere Schwanzflossenlappen ist aus dem Peitschenschwanz herausgewachsen.

Rechts :

Jungfisch mit einer Länge von 7 mm im Alter von vier Monaten.

Die Pünktchen sind kein Ichthyo - sondern Normalfärbung

Mit Beginn der dritten Woche wurden zusätzlich einige Artemia - Nauplien ins Becken gegeben, doch konnte eine Aufnahme der Nauplien nicht festgestellt werden. Nach drei Wochen wurden vorsichtig alle Pflanzen entfernt. Leider konnten nur sechs Jungfische mit einer Körperlänge von etwa 4 mm, aber jetzt schon mit deutlicher Körpermasse festgestellt werden. Durch die besseren Beobachtungsmöglichkeiten ließ sich jetzt auch die Aufnahme von Artemia - Nauplien beobachten.

Zu diesem Zeitpunkt wurde bereits erstmals vorsichtig etwas Mulm abgesaugt und das fehlende Wasser durch Frischwasser ersetzt. Einige, an weiches Wasser gewöhnte Posthornschnecken wurden zur Beseitigung von Nahrungsresten eingesetzt. Obwohl dieser erste Zuchtversuch nur mit sehr bescheidenen Ergebnis endete, zeigte er doch, daß die Nachtzucht dieser Zwergziersalmlerart möglich ist. Nannostomus anduzei ist möglicherweise, wie seine Verwandten, ein arger Laichräuber. Unter diesem Gesichtspunkt könnte der paarweise Ansatz ergiebiger sein. Sicher lassen sich die Zuchtergebnisse soweit verbessern, daß die Artenhaltung für den engagierten Liebhaber möglich ist.

 

Aus  " das Aquarium " ,   Nr.345 - März 1998


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