Marin - Zuchtberichte

Text : Wolfgang Braun

Wissenswertes zur Zucht der Gattung Corydoras.

Weit über 150 Arten sind von diesem Wels, mehr oder weniger eindeutig, beschrieben. Da die Panzerwelse in unseren Aquarien immer mehr Einzug erhalten, ja geradezu Modefische geworden sind, soll hier einiges über seine Vermehrung und erfolgreiche Zucht, angemerkt werden.

Allgemeines:

Ein erstes Zuchterlebnis bei einem Panzerwels erfolgt meist unfreiwillig. Die Arten, die sich berufen fühlen, den Pfleger und vielleicht in der Richtung unerfahrenen Züchter auf diesem Gebiet, überraschend vor schier unlösbare Aufgaben zu stellen, sind meist immer die selben. Es handelt sich um Corydoras aeneus (Metallpanzerwels) und Corydoras paleatus (marmorierter Panzerwels). Beide Arten kommen schon Jahrzehnte in unseren Aquarien vor und sind im Handel größtenteils als Nachzucht erhältlich. Meist hält man sie als unbedürftige Bodenputzer, die den Boden frei halten von Futterresten und zusätzlich den Kies durchwühlen, aber dabei kein Unheil anrichten. Pflanzen bleiben an ihrem vom Pfleger ausgesuchten Ort. Das lustige Rollen der Augen macht diese kleinen Welse für fast jeden Aquarianer interessant.

Diese beiden Arten sind so weit an die Bedingungen in unseren Becken angepaßt, daß sie ohne weiteres in einem Gesellschaftsbecken ablaichen. Um einen Laichansatz bei diesen Tieren zu begünstigen reicht meist schon Flocken- und Tablettenfutter aus. Weiter unten wird beschrieben, daß es auch anders geht und ein erstes Ablaichen bei anderen Arten weit aufwendiger stimuliert werden muß.

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Gezielte Zucht und Aufbau des Zuchtaquariums:

Zur gezielten Zucht von Panzerwelsen sind, auch bei den sehr leicht ablaichenden Arten, einige Dinge zu beachten. Vielfach scheitert an der Mißachtung simpler Dinge ein ganzer Laichgang, wenn er überhaupt zustande kommt.

Wer sich vornimmt, eine Art gezielt zu züchten, sollte erste Vorkehrungen schon vor dem Erwerb der eigentlichen Tiere treffen. Hierzu gehört vor allem die Einrichtung eines geeigneten Zuchtaquariums. Die Größe des Beckens richtet sich natürlich nach der Größe der zu vermehrenden Fische. Sie sollen nicht eingeengt sein, es soll allerdings auch kein Hälterungsaquarium im eigentlichen Sinne sein. Man muß in solchen Becken schnell und beliebig eingreifen können. Ecken sollten frei gehalten werden, um im Notfall Fische schnell fangen zu können.

Für Arten, die eine Länge von 5 - 6 cm nicht überschreiten, sind Aquarien von 25 l geeignet. Größeren Arten zwischen 7 und 10 cm sind Becken mit 60 cm Kantenlänge genehm, bei C. barbatus wird aber schon ein 100 l Becken fällig. Die letztgenannte Art weist einige Besonderheiten auf, auf die noch später eingegangen wird.

Das ausgesuchte Becken sollte nun einen nicht zu hellen Standort bekommen. Ein Fensterplatz ist nicht der richtige Ort. Ich nutze meist Aussparungen in den Unterschränken, in denen man zusätzlich eine Beleuchtung installieren kann. Oft ist in Schränken größerer Becken im unteren Teil noch ein Platz in der Mitte frei, in dem ein 60 cm Becken hineinpaßt, welches zur Aufzucht von Jungfischen oder als Quarantänebecken gedacht ist. Wichtig ist in dem Zusammenhang, daß man Schwingungen durch Trittgeräusche und ähnliche Vibrationen durch Auswahl des Standortes und Nutzung einer Unterlage aus dickem Styropor oder Schaumstoff benutzt. Die Welse reagieren empfindlich auf geringste Schwingungen die sich auf das Becken übertragen und über das Weber´sche Organ der Fische weitergeleitet werden. Auch Teppichauslegware unterstützt im Raum die Schwingungsdämpfung zusätzlich.

Zur Meinung, ob man in diesen Zuchtbecken nun Bodengrund verwenden soll oder nicht, gibt es geteilte Meinungen. Man sollte beides ausprobieren. Ohne Bodengrund bietet sich der Vorteil, daß Mikroorganismen natürlich keinerlei Substrat finden. Mit Bodengrund wirkt das Becken, auch für die Fische, die es später bewohnen sollen, weit freundlicher und heimischer, als karg eingerichtete Becken. Wenn nun Bodengrund gewählt wird, sollte man sich für eine dünne Schicht Sand entscheiden oder sehr feinen, runden Kies. Eckiger und scharfer Kies kommen in keinem Panzerwelsbecken in Frage, da die Barteln leiden könnten. Ein Fehlen der Barteln wirkt sich auf die Zuchterfolge aus (s. Auswahl der Zuchttiere).

In den Bodengrund gehören nun auch Pflanzen. Da man von vornherein nicht sagen kann, welches Substrat sich die Panzerwelse aussuchen, bietet man zuerst einmal alles was möglich ist an. Geeignete Bepflanzung sind Ableger von Anubias spec und feinfiedrige Pflanzen, wie zum Beispiel Ceratophyllum demersum, das Hornkraut. Die Bepflanzung nicht zu üppig wählen, da die Fische etwas freien Schwimmraum benötigen. Den vorderen Beckenteil sollte man als spätere Futterstelle und "Gruppensammelstelle" freilassen. Dies hat zum Vorteil, daß man die Nahrungsaufnahme gut beobachten kann und beginnende Laichansätze in der Entstehung schon sieht.

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Adultes Corydoras trilineatus, Weibchen

 

und das dazugehörige Baby im Alter von etwa 8 Wochen -  kurz vor der Umfärbung.
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Die Art gehört zu den einfach züchtbaren und sind meiner Meinung nach von der Musterung ansprechender als die " gewöhnlichen Panzerwelse "  C. aeneus und C. paleatus

Ein Heizer muß im Becken ebenfalls installiert werden. Er sollte in der Leistung der Beckengröße angepaßt sein und gewährleisten, daß eine Temperaturschwankung von zwei Grad Celsius nicht überschritten wird. Die einzustellende Temperatur wählt man nach der zu züchtenden Art aus. Die Fachliteratur gibt Beispiele für jede Art an. Da es keine allgemeine Temperatureinstellung für alle Panzerwelse gibt, sollte man zuerst eine Temperatur von 25°C einstellen und diese im Verlauf der Konditionierung den Fischen anpassen. (s. Konditionierung der Zuchttiere) Neben C. aeneus, der bei verschiedenen Temperaturen ablaicht, mag es ein C. natteri mit 21-23°C etwas kühler, im Gegensatz dazu C. sterbai, der auch wegen seiner Vorliebe für etwas höhere Temperaturen oft in Diskusbecken gehalten wird, kann man Temperaturen von 27-29°C vorschlagen. Wichtig ist, die Fische ständig zu beobachten, wenn Eingriffe in solche Werte wie Temperatur und Wasserwerte erfolgen.

Die Filterung des Beckens sollte dem erhöhten Stoffwechsel bei Welsen immer angepaßt sein. So empfiehlt sich auch hier eine Filterung, die das Wasser sauber hält und für eine leichte Strömung sorgt. Hängefilter sind bestens geeignet für diesen Zweck. Die Wasseroberfläche sollte immer etwas Bewegt sein, somit beim Einsatz von Hängefiltern nicht bis zur Kante des Auslaufes füllen. Als Filtersubstrat genügt schon der alleinige Gebrauch von handelsüblicher Filterwatte.

Versteckmöglichkeiten und ruhige Plätze bietet man ihnen mit einer kleinen Grotte oder Höhle, die zentral im Becken liegt. Dies sollte keinesfalls vergessen werden, da die Welse oft ruhen.

Eine schwache Beleuchtung, die zusätzlich durch auf die Wasseroberfläche gelegte Pflanzen gedämpft werden kann ist ebenso notwendig. Ob nun die Lichtfarbe auf das Verhalten der Panzerwelse einen Einfluß ausübt oder sich stimulierend auswirkt ist nicht bekannt.

Das Becken muß nun noch zusätzlich abgedeckt werden, wenn dies mit der Lichtabdeckung nicht schon geschehen ist. Löcher in den Ecken der Aquarien kann man sehr gut mit Filterwatte verschließen. Von Vorteil ist es dann, wenn die Watte etwas ins Becken hineinreicht, um diese als zusätzliches, potentielles Laichsubstrat für die Welse zugänglich zu machen.

Die Fische können nach der Einlaufphase des Beckens eingesetzt werden. Bei Welsen, die sich bereits in einem anderen Hälterungsbecken befinden wirkt es sich positiv aus, das gewohnte Wasser zu verwenden, bei neu gekauften Fischen empfiehlt sich das komplette Einfahren des Beckens, da die Station dann auch als Quarantänebecken dienen kann.

 

Auswahl der Zuchttiere:

Nun, da das Becken fertig ist, kann man sich mit dem eigentlichen "Ansetzen der Zuchttiere" wie es so schön heißt, beschäftigen. Corydoras laichen meist in Gruppen, C. barbatus ist eine Ausnahme und laicht paarweise ab. Die Auswahl der Zuchttiere erfordert etwas Übung und sollte nicht als unwichtig angesehen werden.

Werden Tiere beim Händler erstanden, so sind sie meist noch sehr jung und nicht geschlechtsreif. Hier lohnt sich der Zuchtansatz gar nicht. Die Tiere sollten weder zu alt, noch zu jung sein. Gleichaltrige Tiere, die bereits zwei Jahre alt sind, sind gut zur Zucht geeignet. Beim Händler ersteht man am besten eine Gruppe von, wenn möglich 8-10 Panzerwelsen einer Art. Leider ist dies oft aus finanziellen Gründen oder mangelndem Platz in der heimischen Aquarienanlage nicht realisierbar. Fünf Tiere sollten aber mindestens erstanden werden, um das Vorhandensein beider Geschlechter zu sichern und den Haltungsansprüchen, Corydoras sind Schulentiere, entgegenzukommen.

Die Tiere, die man zur versuchten Nachzucht ansetzt, sollten fehlerfrei sein. Vielfach kommen Deformationen des Rückgrades vor, der von Inzucht und schlechter Aufzucht zeugt. Auch zu klein bleibende Fische sind hier nicht geeignet. Es gilt der Grundsatz, daß aus kräftigen Tieren gesunde Jungen entstehen. Jeder Fehler, kann auch vererbt werden und das sollte man von vornherein ausschließen, um bei der Aufzucht nicht mehr Probleme als nötig zu bekommen. Das man nur gesunde und vor allem vitale Tiere ansetzt, sollte selbstverständlich sein. Schwache Tiere sind zwar nicht geeignet, aber man kann versuchen, sie durch die der Quarantäne ähnlichen Haltung, in längerer Zeit kräftiger zu machen. Schon so mancher magerer Panzerwels hat sich im Laufe der Zeit, allein aufgrund der Zuchtumstände, schon zu einem kleinen, kräftigen und gesunden Juwel des Bodengrundes entwickelt und dem Pfleger dies durch dankbares Ablaichen angezeigt. Ursachen sollte der Pfleger dann aber in der vorhergehenden Haltung suchen und diese wenn möglich verbessern.

In den Farben blasse Fische oder nicht eindeutig der gleichen Art lokalisierbare Individuen sollten von der Zuchtgruppe ausgeschlossen werden. Es kann sich dort bereits um Hybriden halten, die das Ergebnis zweier verschiedener Panzerwelsarten sind. Oft sind solche Hybriden unfruchtbar. Aber auch hier sollte man am Kern beginnen und den Fisch im Hälterungsbecken oder beim Händler belassen.

Die Differenzierung der Geschlechter ist bei vielen Arten problematisch. Eine eindeutige Identifizierung läßt sich erst nach der Bildung des Laichansatzes bei den Weibchen feststellen. Die Färbung der meisten Arten ist bei beiden Geschlechtern gleich, aber auch hier gibt es ausnahmen, wie z.B. den C. barbatus. Männliche Corydoras sind meist schlanker in der Bauchgegend als die entsprechenden Weibchen, die fülliger wirken. Bei einer Betrachtung der Fische von oben fällt die Geschlechtsbestimmung einfacher. Weibchen sind oft bis zu einem cm größer als ihre männlichen Artgenossen.

Die Wichtigkeit der Erkennung der Geschlechter, kommt zum Ausdruck, wenn man weiß, daß die Befruchtungsrate der Eier davon abhängig ist. Beim Ablaichen eines Weibchens sind zwei bis vier Männchen beteiligt. Ein einzelnes Männchen ist bei hohen Eizahlen nicht in der Lage, diese alle zu befruchten. Auch das Alter des Tieres kommt hier wieder zum Vorschein. Junge Tiere sind zwar sehr alten vorzuziehen, aber im Grundsatz sollte immer ein Überschuß der Männchen vorherrschen. 5 Männchen auf zwei bis drei Weibchen sind angemessen, bei kleineren Zuchtansätzen von beispielsweise vier Tieren sind drei Männchen angemessen usw. Auf jedes einzelne Weibchen sollten immer zwei Männchen gerechnet werden, da auch das Ablaichen eines Weibchen oft das Startzeichen für alle weiteren ist. Dazu noch ein Hinweis weiter unten. (s. Wenn´s gar nicht klappt).

Wer mit einfachen Arten gezielt beginnen will, sucht sich aus seinem Bestand drei schöne C. aeneus heraus und ein dazugehöriges Weibchen. Die Eizahlen sind bei dieser Art vielversprechend, man sammelt erste Erfahrungen und auch die Aufzucht der Larven ist nicht weiter schwierig.

Vor dem Erfolg muß man aber noch ein wenig stimulierend auf die Fische einwirken. Es folgt die

 

Konditionierung der Zuchttiere:

Dieses harte aber immer wieder benutze Wort, beschreibt den Zeitraum, in dem die Fische zur Zucht im Zuchtaquarium vorbereitet werden. Dies erfolgt primär über Eingriffe in die Fütterung und die Wasserwerte.

Das Becken mit den neu hinzugezogenen Neulingen ist nun in den kommenden Tagen und Wochen, meist Monaten, je nach Art, die man versucht zum Ablaichen zu stimulieren, der Mittelpunkt des Zuchtgeschehens. Vorab: Bei jeder Umstellung des Wassers und auch in dem Zeitraum der Futterumstellung müssen die Fische unter Beobachtung stehen. Und zwar permanent. Zu schnelle Umgewöhnung kann für die Fische im Extremfall tödlich Enden! Man sollte sich Zeit nehmen für die folgenden Maßnahmen und lieber etwas behutsamer sein, da die Eingriffe doch zum Teil extrem sind und man den Fischen auch noch alles auf einmal auflastet.

Wir verfahren in der Konditionierungsphase bei völlig ungewöhnten Tieren im Folgenden wochenweise.

 

Erste Woche: Wir lassen alles wie es ist. Die Fische müssen sich einleben. Fütterung auf den Abend verlegen. Wie gewohnt Füttern, wenn nur Flocken und Tabletten gewohnt sind dieses die ersten beiden Tage beibehalten. Langsam dann, ab dem dritten Tag, kräftigeres Futter untermischen. Hierzu eignet sich Frostfutter, welches auch gefrostet verfüttert werden sollte, auf den Boden fällt es nun mal von allein. Flüssige Vitamine aus dem Handel besorgen, die für Zierfische angeboten werden und auf das Frostfutter aufträufeln. Als Frostfuttersorten eignen sich zu Beginn weiße und schwarze Mückenlarven. Rote Mückenlarven bei Flockengewohnten Fischen erst mal vermeiden - diese sind noch zu kräftig für sie. Das gleiche gilt bei frischen Wildfängen. Auch hier sollte man in der ersten Woche rote Mückenlarven vermeiden. In der Mitte der Woche wird ein Wasserwechsel durchgeführt. Dieser sollte 30% nicht überschreiten, aber auch nicht deutlich darunter liegen. Bei sehr hartem Wasser den Fischen im Frischwasser 10% destilliertes Wasser beimengen, um den GH langsam zu senken. Auch enthärtende Aufbereiter sind geeignet. Wichtig sind hierbei Beachtung der Dosierung und langsame Enthärtung von nicht mehr als 5°dGH in der Woche. Diese Mittel steigern unter anderem wünschenswert den Leitwert.

 

Zweite Woche: Wir beziehen in diese Woche schon zwei Wasserwechsel ein. Wasser noch temperiert auf Beckentemperatur, wenn es die Fische nicht anders gewohnt sind. Sind die Fische Kaltwasserwechsel gewohnt, kann man diese durchführen. Der Temperatursturz, der sich kurzfristig einstellt sollte erst einmal 5°C nicht überschreiten. Wir füttern jetzt vermehrt Frostfutter. Mysis und rote Mückenlarven können nun langsam gereicht werden. Helle Arten, wie z.B. C. panda, C. adolfoi und C. arcuatus mögen erfahrungsgemäß gerne lebende Enchytraeen. Sind diese zur Hand kann man sie verfüttern, aufgrund des hohen Fettgehaltes aber nicht mehr als zweimal wöchentlich. Auch lebende Tubifex können gereicht werden, wenn sie vorher gut gespült wurden.

 

Dritte Woche: Nun gilt, wenn die Fische die ersten Wochen schadlos überstanden haben, bei der Fütterung nur noch ein Grundsatz: Abwechslung. Je mehr desto besser, wenn möglich zwei oder drei Sorten bei der abendlichen Mahlzeit. Aber nicht in Massen, sondern in Maßen. Die Wasserwechsel steigern auf dreimal in dieser Woche, Wasser kühler, etwas weicher. Werte kontrollieren, Fische beobachten. Weibchen auf vorhandene oder sich bildenden Laichansätz untersuchen. Im Allgemeinen stellt sich hier schon unmittelbar nach den Wasserwechseln das Treiben der Fische ein, welches sich durch reges Auf- und Abschimmen an der Frontscheibe des Aquariums bemerkbar macht.

 

Vierte bis x-te Woche: Das schlimmste ist überstanden. Alle nötigen Konditionierungsmaßnahmen wurden getroffen. Wir führen den Verlauf der dritten Woche so weiter fort. Die Wasserwechselintervalle werden aber nun stärker frequentiert und täglich durchgeführt. Langsam die Wechselmenge auf gute 50 - 60% steigern. Wasser kühl, weicher, leicht sauer. Fütterung intensivieren und mehr füttern als gewöhnlich. Restfutter am nächsten Morgen unbedingt absaugen, allerdings sollte nichts übrig bleiben, dann war es zu viel. Weiterhin auf Treiben der Fische achten, Laichansätze beobachten. Warten.

 

Nun, manche Arten machen es dem Pfleger besonders schwer. Viele werden in den ersten Wochen schon abgelaicht haben, andere brauchen länger. Man kann nach der 5-ten Woche mit der Temperatur etwas experimentieren. Bei höherer Temperatur steigt der Stoffwechsel, allerdings sollte man sich vorher in der Literatur informieren, ob die Art das auch wirklich verträgt. C. natteri kümmert oft schon bei 27°C, bei 20-22°C fühlt er sich sehr wohl. Bei C. rabauti werden bis zu 90%-ige Wasserwechsel mit kühlem Wasser vorgeschlagen. Man soll dies als Pfleger abwägen und im Zweifelsfall nicht zu stark stimulierend auf die Fische einwirken. Zu schnell ist dieser schmale Pfad verlassen und die ganze Aktion schlägt ins Gegenteil um. Will es nun absolut nicht klappen mit dem Ablaichen gibt es hier noch einige Tips, die schon oft erfolgreich waren.

 

Wenn´s gar nicht klappt:

Es gibt noch ein paar Maßnahmen, die man beherzigen kann. Es mag sich oft zweifelhaft anhören, aber Erfolge sind immer wieder dokumentiert.

Die Corydoras reagieren empfindlich auf Schwankungen im atmosphärischen Luftdruck. Fällt dieser rapide und über kurze Zeit ab, so wirkt sich das bei vielen stimulierend auf das Ablaichen aus. Es hört sich komplizierter an als es ist. Der genannte Abfall des Luftdruckes erfolgt: bei Gewitter, Sturm, Unwetter. Warten wir auf einfach dieses. Vor die Tür geht man dann sowieso nicht mehr und man hat genügend Zeit sich den Fischen zu widmen.

Eine weitere Möglichkeit bietet sich im Einsatz einer sogenannten "Treibergruppe", die meist aus C. Aeneus oder C. paleatus besteht. Diese Treibergruppen sollen eine "mitreißende" Wirkung auf die eigentlich zu züchtende Gruppe haben. Hier spielen wohl Pheromone eine große Rolle. Treibergruppen bestehen meistens aus sechs Tieren, vier Männchen, zwei Weibchen.

Ein weiteres Mittel ist der Einsatz von Huminsäuren, die ins Aquarienwasser gebracht werden. Diesen Stoff kennen die Fische schon aus ihrer Heimat. Mit Moorkienholz läßt sich dieser Effekt erreichen, ebenso sind flüssige Präparate, nach Dosierungsempfehlung angewandt, gleichermaßen geeignet.

Oft hat auch schon eine üppigere Bepflanzung Erfolg gebracht.

Viele wildgefangene Corydoras sind noch an saisonbedingtes Ablaichen in der Regenzeit ihrer Heimat orientiert. All die in der Natur vorgefundenen Bedingungen müssen so gut wie möglich nachgeahmt werden. Auch kleine Sprenkleranlagen, meist in Eigenarbeit erbaut, haben sich schon bei der Zucht bewährt gemacht.

Vergessen darf man aber, trotz all dem nicht, daß die Fische keine Zuchtmaschinen sind. Wenn sie nicht wollen, sollte man sie in Ruhe weiter pflegen und hoffen, das sie den Pfleger eines Tages von selbst mit der Vermehrung überraschen.

 

Der Ablaichvorgang:

Das Ablaichen an sich erfolgt bei fast allen Corydoras in gleicher Art und Weise. Die Männchen beginnen das Weibchen durch das Becken zu treiben. Oft macht auch das Weibchen den Anfang und schwimmt aufgeregt im Becken umher, was dann die Männchen natürlich neugierig macht. Die Männchen versuchen nun, das Weibchen in einer Position zu fixieren, die man als T-Stellung bezeichnet. Der Name rührt daher, daß die Männchen diese T-Stellung im rechten Winkel zur Körperflanke des Weibchens einzunehmen versuchen. Vielfach schwimmen die laichenden Fische beiderlei Geschlechts an die Wasseroberfläche, um Luft aufzunehmen, dessen Sauerstoff dann über das akzessorische Organ in die Blutgefäße resorbiert. Die verbrauchte Luft wird über den Darm wieder hinausgepresst.

Der Befruchtungsvorgang steht zur Zeit noch in Diskussion der Fachleute. Eine Versuchsreihe aus Japan hat Erkenntnisse gebracht, die aber noch zu prüfen sind. Ob das akzessorische Atmungsorgan dabei eine Rolle spielt, oder das Passieren der Spermien über den Verdauungstrakt ist nun die Frage, welche die Wissenschaftler beantworten müssen.

Während des Ablaichvorganges läßt das Weibchen immer wieder eine bestimmte Anzahl, diese Variiert je nach Art, in die Bauchflossentasche. Nach dem Befruchtungsvorgang werden diese Eier an ein Substrat geheftet, welches oft vorher noch gründlich geputzt wird.

Die Eizahlen bei den verschiedenen Arten sind sehr Variabel. Auch das Alter spielt im gewissen Sinne eine Rolle.

 

Umgang mit dem Laich und Schlupf der Jungen:

Die Laichkörner können wir nach Beendigung des Laichvorganges aus dem Becken entnehmen. Auch die Elterntiere können entfernt werden und man läßt die Eier auf ihren Substraten. Beides ist möglich und wird angewandt. Die Elterntiere kommen dann natürlich in ihr Haltungsbecken zurück.

Für beide Maßnahmen gilt nun, ein Mittel gegen die Verpilzung der unbefruchteten Eier ins Becken zu geben. Es sollte Methylenblau verwendet werden. Die Dosierung soll die Hälfte oder gar nur ein Viertel der angegebenen Menge entsprechen. Das Wasser sollte sich beim Einsatz reiner Methylenblaulösung, gerade blau färben.

Die Zeitigung ist ebenfalls ein Faktor, der bei den verschiedenen Arten verschieden ist. Viele Eier schlüpfen nach drei Tagen, andere brauchen weit länger und die Jungen schlüpfen erst im Laufe des achten Tages. Unter anderem ist dies temperaturabhängig. Die Temperatur sollte allerdings, obwohl es paradox klingt, nicht zu hoch gewählt werden. Im Allgemeinen reichen 25°C aus. Temperaturen, die darüber liegen führen zwar zu einem schnelleren Schlupf der Jungen, aber die Larven sind unterentwickelt und nicht kräftig genug. Zu kalte Hälterung unter 20°C führt meist zum Absterben der Larven noch in den Eiern. Während der Zeitigung kann man eigentlich nur beobachten und verpilzte, weiße Eier entfernen. Befruchtete Eier werden im Laufe der Zeit Dunkel und man sieht die Larvenentwicklung im weiteren Verlauf.

Wer die Eier aus dem Becken entfernt und separat zeitigen möchte, ist mit einem Gefäß, möglichst flach, mit einem guten Liter Fassungsvermögen gut im Rennen. Der Wasserstand in der Schale sollte 10 cm nicht überschreiten. Der Grund: die geschlüpften Larven müssen regelmäßig ihre Luftblase (akz. Organ) füllen. Ein zu hoher Wasserstand verwehrt ihnen den Zugang zur Wasseroberfläche. Das Wasser in der Schale sollte ein Gemisch aus Beckenwasser und destilliertem Wasser im Verhältnis 2:1 sein. Bei bereits sehr weichem Beckenwasser läßt man den Anteil an destilliertem Wasser weg und füllt nur Beckenwasser ein. Eine gleichmäßige Temperatur hält man, in dem man die Schale auf die Wasseroberfläche eines beheizten Aquariums legt. Wer gern bastelt, kann einige sehr kleine Löcher in die Schale stechen und sorgt somit noch für einen Wasseraustausch in der Schale. Zu beachten ist dann allerdings, das man den Schlupf völlig ohne Methylenblau durchführt, wenn die durchlöcherte Schale ins Gesellschaftsbecken gehängt wird. Möchte man die Schale in einem leeren Becken, das leere Zuchtbecken bietet sich an, einhängen, so sollte das ganze Becken mit dem Mittel versetzt werden. Auch hier kann man noch ein wenig mehr tun, wenn die Elterntiere wieder in ihrem angestammten Becken sind. Man läßt ein gutes Drittel des nun leeren Beckens ab und füllt mit dest. Wasser auf.

Ablaichkästen empfehlen sich, wegen der zu großen Öffnungen, die dem Wasseraustausch dienen, nicht. Die Larven schlüpfen entweder ungehindert nach dem Schlupf hindurch oder klemmen sich in dem Schlitzen ein.

 

Aufzucht der Jungen:

Das Larvenstadium ist das erste Stadium der Jungen nach dem Schlupf. Sie ernähren sich in den ersten Tagen noch von ihrem Dottersack. Es gibt auch Larven, die ihn beim Schlupf schon komplett aufgezehrt haben. Man sieht das an den verschiedenen Entwicklungsstufen, in denen die Larven schlüpfen. Allgemein gilt: "Herumkreiselnde" Jungfische besitzen ihren Dottersack noch, dieser ist unter der Bauchseite zu sehen. Weiter entwickelte Jungfische sind nicht mehr so kugelrund und kreisen nicht so oft, manchmal gar nicht, durch das Wasser. Bei ihnen ist schon eine halbwegs orientierte Schwimmrichtung zu erkennen.

Nach dem Aufzehren des Dottersackes, sind die Jungen bereit für die erste Nahrungsaufnahme. Wenn wir nicht gerade winzige C. habrosus oder andere Zwergpanzerwelse gezüchtet haben, fällt diese Erstnahrung nicht schwer. Oft reichen geviertelte Futtertabletten aus. Geeignet für schnelleres Wachstum sind Cyclops und Bosmiden, die in gefrorenem Zustand verfüttert werden können. Zusätzlich haben sich auch hier Vitaminpräparate auf flüssiger Basis bewährt, die man auf das Frostfutter tropfen läßt. Die Futterreste müssen je nach Aufzuchtmethode, täglich entfernt werden. Zur Aufzucht eignet sich, wenn die Jungen in einer Schale geschlüpft sind, ab dem fünften Tag ein 20 l Becken, vorab ohne Bodengrund, um das Absaugen der Futterreste zu erleichtern. Allerdings scheinen die Jungen wenig anspruchsvoll in der Wahl ihrer Umgebung zu sein. Zu langes Aufziehen in den Schalen wirkt sich natürlich auf die Wachstumsgeschwindigkeit aus, deswegen ist hier ein Umsetzen besser, je früher es geschieht. Als Filterung sind Hängefilter geeignet, auf deren Auslauf ein Filterschwamm gesteckt wird, der verhindert, daß die Jungen durch diesen eingesaugt werden. Allerdings sollte man starke Strömung vermeiden und unter den Auslauf einen großen Stein legen, der diese vorab abfängt. Auch separate, mit einer Luftpumpe betriebene Schwammfilter eignen sich zur Aufzucht. Das Absaugen der Futterreste ist für die Jungen lebenswichtig! Das Futter verdirbt sehr schnell. Deswegen wenig füttern, um das Wasser nicht zu stark zu belasten. Das Wasser wird regelmäßig gewechselt. Temperiertes Wasser ist von Vorteil. Ein Wechsel alle zwei Tage von bis zu 30% ist angemessen.

In den ersten zwei Wochen wachsen die Jungen sehr schnell. Bis zu 1,5 cm können sie erreichen. Ab der dritten Woche sollte man die kräftigsten Tiere in Becken mit Bodengrund und Bepflanzung umsetzen. In den ersten Lebenswochen der Jungen fällt ein Flossensaum auf, der dort sitzt, wo sich später einmal Rücken- und Schwanzflosse bilden. Ist dieser Saum im Laufe der Zeit verwunden, so wird es höchste Zeit die Jungen nach Größe zu selektieren. Sdie haben jetzt auch schon die charakteristische Form der Panzerwelse.

Ein Jungfischsterben macht sich oft an den kleinsten bemerkbar. Wichtig in dem Zusammenhang ist noch, daß die kleineren Fische, wenn nicht selektiert wird, sehr stark kümmern. Sie wachsen nicht, sind schwach und sterben letztendlich. Anzeichen hierfür findet man immer wieder bei zu kleinen, erwachsenen Tieren. Diese wurden unter zu engen Bedingungen aufgezogen. Die Selektion ist erfolgreich, wenn man die größeren Jungen in ein 60 l Becken umsetzt, oder ein 25 l Becken nutzt, aber Individuenzahl sehr klein hält. So gibt man der Gruppe, die zurückbleibt, die Chance, noch gesund und vor allem etwas schneller, aufzuwachsen.

Die kräftigsten Fische beginnen mit zwei Wochen schon zu färben. Bei vielen Arten sieht man unregelmäßig angeordnete Punktierungen auf den Seiten der Körper, die im weiteren Wachstum verschwinden. Nach zwei Monaten sieht man die Miniaturausgaben der Elterntiere vor sich. Es kann gut sein, daß der ein oder andere charakteristische Streifen sich noch bildet, aber die Ansätze sollte man nach zwei Monaten schon sehen.

Um ein größeres Becken kommt man nicht letztendlich nicht herum. Ein leerstehendes 100 oder sogar 200 l Becken kann dazu dienen, daß die Jungen zu ihrer vollen Größe heranwachsen. Dies dauert mehrere Monate. Nach gut 1,5 Jahren stellt sich die Geschlechtsreife ein. Mann sollte allerdings noch ein weiteres halbes Jahr warten, bis die Tiere zur Zucht angesetzt werden können.

Wichtig ist, daß die Fische die ersten Wochen gut überstehen und dies kann man durch Sorgfalt in der Pflege und genügender Wasserqualität beeinflussen. Fehler in der Aufzucht werden dem Pfleger, gerade bei diesen in der Aufzucht etwas empfindlichen Fischen, kaum verziehen.

Wer die aufwachsenden Jungen einmal gesund und munter gesehen hat, wird sich der Faszination bewußt, die diese Tiere ausstrahlen.

 

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