MARIN Berichte - Süßwasser

Joberts Harnischwels

Zur erfolgreichen Nachzucht von Hypoptopoma cf. joberti

Text und Fotos: Helmut Wendenburg

In der deutschsprachigen Literatur finden sich nach meinen Recherchen nur vage und zum Teil erheblich abweichende Angaben über die Vermehrung von Hypoptopoma-Arten. Was davon richtig, bedingt richtig oder falsch ist, kann nun anhand der geglückten Nachzucht von Joberts Harnischwels, Hypoptopoma cf. joberti, nachvollzogen werden.

Schaefer (1996) berichtet über die Nachzucht von Hypoptopoma-Arten wie folgt: "Die Welse laichen etwa nach der Art der Panzerwelse, allerdings wird das Ei erst befruchtet, nachdem es angeheftet worden ist. Kein Elterntier kümmert sich weiter um die Nachkommenschaft." Riehl & Baensch (1990/91, 1990) verweisen im "Aquarien Atlas" (Band 1 bis 3) darauf, daß über die Nachzucht nichts bekannt ist; vermuten aber Ähnlichkeiten zu den Otocinclus-Arten. Hieronimus (1989) ist konkreter und führt aus: "Bei einer bisher unbestimmten Art ist die Zucht bereits gelungen. Die Eier werden auf einer festen Unterlage, z. B. auf einem vorher geputzten Holzstück, abgelegt. Das Ablaichverhalten gleicht dem von Arten der Unterfamilie Loricariinae. Ein Tier (das Männchen?) bewacht das Gelege bis zum Schlupf und befächelt die Eier hin und wieder mit frischem Wasser. Die Aufzucht der nach etwa fünf Tagen schlüpfenden und nach acht Tagen frei schwimmenden Jungen ist mit kleinster tierischer und pflanzlicher Nahrung nicht allzu schwer." An anderer Stelle vermerkt der gleiche Autor: "Die Zucht dieser etwa 10 cm groß werdenden H. thoracatum ist bereits mehrfach gelungen, aber nicht einfach." Evers (1992) berichtet über die Laichpflege und Aufzucht einer als Hypoptopoma sp. bezeichneten Art. Dabei geht nicht klar hervor, ob es sich bei der abgebildeten Art um die gleiche handelt, deren Vermehrung gelungen ist. Baensch & Riehl (1997) nehmen offensichtlich auf diese Veröffentlichung bezug. Elsholz & Elsholz (1994) fanden bei der Säuberung eines Aquariums Jungfische, konnten diese aber aufgrund unglücklicher Umstände nicht aufziehen. Anzeichen für ein Ablaichen der Alttiere wurden nicht bemerkt. In der Unterschrift des beigefügten Fotos wird die Art als Hypoptopoma cf. thoracatum bezeichnet, obwohl im Text darauf hingewiesen wird, daß die Art am ehesten Hypoptopoma joberti entspricht. Nachdem ich ihnen Nachzuchttiere übergeben hatte, konnten sie mir bestätigen, daß es sich zweifelsfrei um die gleiche Art handelt, von der sie Tiere im Zoofachhandel erworben hatten. Zur Zucht von Hypoptopoma joberti vermerken Baensch & Riehl (l997) folgendes: "Zucht: Unbekannt. Evers vermutet, daß die Hypoptopoma-Arten an Pflanzenstengeln oder Ästen ablaichen. Die Frage, ob die Arten dieser Gattung Laichpflege betreiben, konnte bisher noch nicht geklärt werden".

 

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An diesem Abschnitt des Lobocano konnten besonders viele Hypoptopoma cf. joberti erbeutet werden. In einem Seitenarm des Cashibocano waren ebenfalls viele Exemplare im Zugnetz.

 

Herkunft ------------------------------------

Die Tiere, über deren Nachzucht hier berichtet werden kann, wurden im Juni 1995 in den Canos der Yarina Cocha bei Pucallpa in Perú gefangen. Sie wurden sowohl in dichten Pflanzenbeständen als auch an unbewachsenen Ufern angetroffen. Mit einem 5 m langen Zugnetz konnten immer mehrere Exemplare aus dem befischten Bereich erbeutet werden. Das deutet darauf hin, daß die Tiere in lockeren Trupps zusammenleben. Die Fischgesellschaft war sehr vielfältig und bestand hauptsächlich aus verschiedenen Salmlerarten und Welsen unterschiedlicher Gattungszugehörigkeit. Häufig wurden gemeinsam mit den Hypoptopoma cf. joberti die Panzerwelse Brochis splendens und Corydoras reticulatus gefangen.

Die Biotope habe ich bereits umfassend beschrieben (Wendenburg, 1997). Im Jahresverlauf unterliegen die Gewässer extremen Veränderungen. Während der Hochwasserzeit herrscht bis zum Abklingen der Hochwasserwelle eine mehr oder weniger starke Strömung. Mit sinkendem Wasserstand wandeln sich die Canos praktisch in stehende Gewässer um. Zum Ende der Trockenzeit kann sich die Wasserqualität in kürzester Zeit dramatisch verschlechtern. Eine solche Situation war binnen zwei Wochen am Lobocano zu registrieren. Der Jahresgang der Temperaturen und Niederschläge in der Umgebung von Pucallpa ist in der Grafik auf dargestellt.

Über die Yarina Cocha hat Lüling in den siebziger Jahren intensiv geforscht und veröffentlicht. In der mir zugänglichen Literatur ist aber an keiner Stelle ein Hinweis auf das Vorkommen der Hypoptopoma-Art zu finden. Dies verwundert schon ein wenig, da die Art gar nicht selten zu erbeuten ist. Die Verbreitung scheint sich aber auf das Flachland zu beschränken. In den hügeligen Landschaften der Andenausläufer wurde sie nirgends angetroffen. Obwohl der Fundort im unmittelbaren Einzugsbereich vieler Zierfischfänger und der Zierfischsammelstelle in Pucallpa liegt, wird die Art nur höchst selten importiert. Nach meinen Erfahrungen vor Ort wird nur gefangen, was der Händler wünscht. Dabei bleiben dann durchaus interessante Arten gänzlich unbeachtet.

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Anhand der Anzahl und Anordnung der Bauchplatten sollen sich die Hypoptopoma-Arten gut voneinander abgrenzen lassen.

 

Beschreibung-----------------------------------------

Die größten gefangenen Tiere hatten eine Größe von ca. 8 cm. Der Körper besitzt eine graue Grundfärbung mit unregelmäßigen, unterschiedlich großen, etwas helleren Flecken. Stimmungsabhängig zeigen die Tiere zeitweilig eine durchgehend dunkelgraue Körperfarbe. Besonders auffällig sind die schwarzen Fleckenzeichnungen in der Rücken- und Schwanzflosse. Alle anderen Flossen sind transparent, lediglich der erste Strahl der Brustflosse ist dunkel gefärbt. Eine sehr kleine Fettflosse ist vorhanden.

Schaefer (1996) bildet ein Tier unter dem Namen Hypoptopoma guentheri ab, das in der Färbung und Flossenzeichnung der hier vorgestellten Art entsprechen könnte. Hinsichtlich der Namensgebung möchte ich mich Franke (1985) anschließen und die Tiere als Hypoptopoma cf. joberti bezeichnen. Franke führt an, daß Hypoptopoma joberti die am auffälligsten gefärbte Art der Gattung ist. Die beigefügte Zeichnung gibt die markante Flossenzeichnung sehr gut wieder. Baensch & Riehl (1997) zeigen eine Fotografie von Hypoptopoma joberti, die meinen importierten Tieren vollkommen entspricht. Auch sie weisen auf die Zeichnungsmuster in der Rücken- und Schwanzflosse hin. Des weiteren spricht für diese Zuordnung, daß Hypoptopoma joberti aus dem brasilianischen Río Jurua, einem grenznahen Fluß zu Perú, beschrieben wurde. Die Fundorte liegen im benannten Herkunftsgebiet.

Das "cf." setze ich, da mir eine wissenschaftlich exakte Artansprache nicht möglich ist. Überhaupt ist die sichere Identifikation einer Hypoptopoma-Art sehr schwierig. Es gibt viele unterschiedliche Auffassungen zum Artstatus. Elsholz & Elsholz (1994) haben das ausführlich dargestellt. In neuerer Zeit wird sogar die These vertreten, daß Hypoptopoma joberti zu Hypoptopoma gulare zu stellen sei. Schraml (1996) verweist darauf, daß sich die einzelnen Hypoptopoma-Arten anhand ihrer differenzierten Anzahl und Struktur der Bauchplatten leicht unterscheiden lassen. Bisher liegt aber eine derartige vergleichende Untersuchung nicht vor und ist wohl in absehbarer Zeit auch nicht zu erwarten.

 

Pflege im Aquarium-----------------------------------

Von Hypoptopoma cf. joberti wurden fünf Tiere komplikationslos mitgebracht. Sie sind nun in einem 160-Liter-Becken, das nur sparsam mit Wurzelholz, Steinen, Schieferplatten und wenigen Microsorum pteropus ausgestattet ist, untergebracht. Als Bodengrund ist eine dünne Schicht feinen Sandes vorhanden. Die Temperatur beträgt etwa 26-28 °C. Wöchentlich wird ca. ein Viertel des Wassers gegen abgestandenes Frischwasser ausgetauscht. Die Wasserwerte betragen: Gesamthärte 9 °dGH; Karbonathärte 5 °dKH; pH-Wert 7,5. Gefiltert wird das Becken über einen großen Schaumstoffinnenfilter, der von einer Powerhead-Pumpe angetrieben wird. Der Auslauf der Pumpe wurde mit einem ungefähr 50 cm langen Stück Plastikrohr verlängert und über den Wasserspiegel geleitet. Damit wird eine zu starke Wasserströmung vermieden.

Auf einen Ausfall der Pumpe reagieren Alttiere mit einer sehr hohen Atemfrequenz. Verluste sind dadurch bisher aber nicht aufgetreten. Diese Toleranz bringen wohl aber nur erwachsene Tiere auf. Bei Jungtieren führt der Ausfall der Pumpe unweigerlich zum Tode etlicher Exemplare. Ich betreibe deshalb im, wohlgemerkt nicht überbesetzten Aufzuchtbecken mit ca. 160 1 Inhalt, ständig zwei Powerhead-Pumpen und führe über einen Diffusor intensiv Luft zu. Auch Evers (1992) weist auf diese Problematik hin und stellt fest, daß es immer die Hypoptopoma-Arten sind, die bei "Unfällen" als erste sterben. Diese Erkenntnisse zeigen aber auch auf, wie wichtig es ist, die Situation der Heimatgewässer im Jahresverlauf zu kennen und aquaristisch umzusetzen.

Meine Hypoptopoma cf. joberti sind vergesellschaftet mit jeweils einem Schwarm Brochis splendens, Corydoras reticulatus und Hypoptopoma cf. thoracatum aus dem Einzugsgebiet des Río Utiquenea sowie je einem Einzeltier von Hypostomus sp. aus dem Río Pachitea und Cochliodon sp. aus dem Río Huacamayo. Die Hypoptopoma cf. joberti zeigen kein ausgeprägtes Revierverhalten, jedoch ist deutlich feststellbar, daß bevorzugte Plätze im Aquarium aufgesucht werden. Mit besonderer Vorliebe halten sie sich an Moorkienwurzeln auf. Sie saugen sich dabei aber nur selten mit dem Maul an, sondern liegen entweder oben auf den Hölzern oder klemmen sich mit den Bauchflossen daran fest.

Gegenüber den anderen Beckeninsassen und auch untereinander verhalten sie sich absolut friedlich. Bei nicht ausreichender Fütterung mit pflanzlicher Kost beschädigen sie zartblättrige Aquarienpflanzen. Solche mit derben Blättern, wie beispielsweise Microsorum, Bolbitis, Anubias u. .ä. werden nicht beachtet. Ansonsten wird jedes übliche Futter für Zierfische angenommen.

 

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Im Aquarium sind die Tiere nur noch unwesentlich gewachsen. Die Größe der schwarzen Flecken in der Rücken- und Schwanzflosse ist individuell sehr verschieden.

 

Zucht-----------------------------------------------------

Der bevorzugte Aufenthaltsort eines kleineren Tieres ist die Unterseite einer schräg an die Seitenscheibe des Aquariums angelehnten Schieferplatte. Sie steht etwa 10 cm neben dem Schaumstoffilter. Am 19.09.1996 wurde erstmalig festgestellt, daß sich ein geringfügig größeres Tier ebenfalls an der Schieferplatte einfand und sich über das kleinere Tier setzte, so wie es beispielsweise beim Ablaichen von Störwelsen der Gattung Sturisoma bekannt ist und in verschiedenen Fotos auch veröffentlicht wurde. Ein intensives Putzverhalten war nicht zu verzeichnen, die Tiere saßen ruhig und ohne wesentliche Bewegungen zu unternehmen. Am 20.09.1996 wurde etwa zwei Stunden nach Einschalten der Beleuchtung die erfolgte Eiablage festgestellt. Das größere Tier hatte sich bereits wieder entfernt. Es handelte sich um 37 grün gefärbte Eier, die in Zweier-, nur in Ausnahmefällen Dreierreihen, in vertikaler Richtung am Rande der Schieferplatte abgelegt worden waren. Die Eier waren etwa 1 mm groß. Das kleinere Tier übernahm die Brutpflege, d. h. es hielt sich ständig an den Eiern auf. Dabei wurden die Eier aber nicht mit dem ganzen Körper bedeckt und auch nicht durch intensive Flossenbewegungen mit frischem Wasser versorgt. Meist saß das Tier unter dem Gelege und führte nur in unterschiedlichen Zeitabständen ruckartige Bewegungen nach oben aus. Bei einer Temperatur von 26 °C schlüpften 15 Jungtiere am 22.09.1996. Die restlichen Eier waren offensichtlich unbefruchtet und wurden in der Zwischenzeit vom pflegenden Tier entfernt. Die Embryonen waren nur etwa 3 mm groß und verfügten über einen großen grünen Dottersack. Sie blieben dicht auf der Platte beieinander.

 

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Ein besonders großes und kompaktes Gelege. Die Eier wurden immer unten beginnend am Rand der Schieferplatte angeheftet. Hypoptopoma cf. joberti bei der Gelegepflege.

 

Zur Vergrößerung der Aufwuchschancen wurden die Jungen mitsamt der Schieferplatte in einen Ablaichkasten für Lebendgebärende Zahnkarpfen überführt und in ein anderes Aquarium eingehängt. Die Standorttreue bzw. der Brutpflegetrieb ist augenscheinlich so groß, daß das Elterntier lange Zeit die verwaiste Aquarienecke absuchte und nach Einstellen der Platte den angestammten Platz an der Schieferplatte sofort wieder einnahm. Beläßt man die Jungtiere beim pflegenden Elternteil, dann betreut das Alttier die Jungen bis der Dottersack aufgezehrt ist und die Jungtiere den Ablaichplatz verlassen.

Am 23.09.1996 verließen die ersten Jungtiere die Platte und verteilten sich im Ablaichkasten. Der Dottersack war zu diesem Zeitpunkt noch nicht gänzlich aufgezehrt. Am 24.09.1996 hatten alle Tiere die Schieferplatte ver1assen, der Dottersack war aufgebraucht und die Jungfische hatten eine Größe von ca. 5 mm erreicht. Sie nahmen als Erstfutter sofort frischgeschlüpfte Nauplien von Salinenkrebsen an. In dieser Zeit trugen sie ein sehr markantes Muster von dünnen, schwarzen Querstreifen auf ihrem nahezu durchsichtigen Körper. Am 02.10.1996 hatten die Jungtiere bei täglichem Wasserwechsel eine Größe von etwa 10 mm erreicht und am 07.10. 1996 waren sie schon auf 15 mm herangewachsen. In dieser Größe begannen sich die dünnen Querbänder zu verbreitern, und die Jungtiere nahmen am ganzen Körper eine dunkelgraue Färbung an. Die lang ausgezogene Kopfform ist in diesem Alter noch nicht ausgebildet. Die Stirnpartie fiel relativ steil nach vorn ab und vermittelte den Eindruck von Mopsköpfigkeit. Erst nach ca. acht Wochen und mit einer Größe von etwa 3,5 cm zeigten die Jungtiere die typische Körperform der Hypoptopoma-Arten. Nach einem Jahr hatten sie etwa die Größe der Alttiere erreicht. Damit wird klar, daß im Juni keine ausgesprochenen Jungtiere im Heimatbiotop vorgefunden werden konnten.

 

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Unmittelbar nach dem Schlupf haben die Jungtiere einen sehr großen Dottersack Jungtier mit der markanten Streifenzeichnung einen Tag, nachdem der Dottersack aufgezehrt ist.

 

In der Folgezeit wurde bis Januar 1997 elfmal an ein und derselben Stelle abgelaicht. Im Oktober 1996 erfolgten die Laichgänge in wöchentlichen Abständen. In der Zeit danach nur noch alle zwei bis drei Wochen. Die Eizahl steigerte sich im Oktober/November auf zirka 70 und sank dann im Dezember/Januar wieder ab. Die Januar-Gelege waren sehr klein und wurden gefressen, ob von den Elterntieren oder den anderen Beckeninsassen, war nicht festzustellen. Bei allen Laichgängen wurden die Eier von unten an die schräg stehende Schieferplatte angeheftet.

Einige Laichakte konnten beobachtet werden. Das kleinere Tier, wahrscheinlich das Männchen, verließ in unregelmäßigen Abständen seine Position unter bzw. neben dem größeren. Es setzte sich in Höhe seiner Brustflosse diagonal vor die Schnauzenspitze des vermutlichen Weibchens. Offensichtlich werden in dieser Stellung (siehe Zeichnung) die Geschlechtsprodukte abgegeben. Dieser unmittelbare Vorgang war aber leider nie einzusehen. Deshalb möchte ich mich auch nur vorsichtig zur Ansprache der Geschlechter äußern. Alle Erkenntnisse zur Brutpflege von Loricariiden sprechen jedoch dafür, daß es das Männchen ist, das die Betreuung des Geleges übernimmt. Mir ist kein Fall in dieser Fischfamilie bekannt, bei dem die Weibchen die Brutpflege durchführen.

 

geschle.jpg (3439 Byte) Bild links:

In dieser Position werden offensichtlich die  Geschlechtsprodukte abgegeben.

 

Der Beginn der Laichsaison stimmt mit dem Anfang der niederschlagsreichen Jahreszeit am Fundort überein. Laichstimulierende Manipulationen der Wasserqualität, der Temperatur o. ä. wurden nicht vorgenommen. Ein Laichansatz oder eine deutliche Körperfülle vor dem Ablaichen war bei keinem Tier zu erkennen. Meine Erfahrungen weichen in diesem Punkt von den von Evers (1992) geschilderten ab. Von den elf Laichgängen fanden sich beide Geschlechtspartner viermal bereits einen Tag vor der Eiabgabe am Laichplatz zusammen ein. Ansonsten erfolgte das Ablaichen ohne Vorbereitung kurz nach dem Einschalten der Beleuchtung. Die Laichsaison 1997/98 hat am 26.09.97 begonnen. Bis Anfang Dezember wurde bereits wieder viermal abgelaicht.

Der Aufzucht der Jungfische ist eine gebührende Aufmerksamkeit zu widmen. Vor dem Herausnehmen der Schieferplatte in das Hälterungsbecken der Alttiere entwichene oder dort belassene Jungtiere haben keine Überlebenschance. Die ersten Wochen sind bei guter Fütterung und häufigem Wasserwechsel recht unproblematisch. Bei einer Größe von etwa 2 cm scheint eine kritische Phase einzutreten, bei der einige Tiere aus nicht erklärbaren Gründen kein Futter mehr annehmen und eingehen. Bei einigen Jungtieren bildet sich die lange Kopfform nicht aus. Sie bleiben auch im Wachstum hinter ihren Geschwistern zurück und haben bei Pumpenausfall eine besonders hohe Sterberate. Die Ursachen für die Mopsköpfigkeit konnte ich bisher nicht herausfinden.

Bemerkenswert ist, daß die Hypoptopoma cf. thoracatum bei absolut identischer Betreuung im gleichen Aquarium bisher noch keinerlei Anstalten zur Vermehrung unternommen haben. Ich werde aufgrund der Erkenntnisse vor Ort versuchen, ob sie durch eine deutlich verstärkte Strömung im Aquarium und häufigeren Wasserwechseln zum Ablaichen zu bringen sind.

 

Zusammenfassung-----------------------------------------

Die eingangs zitierten Angaben einiger Autoren zeigen, daß die Aussagen in der Literatur nicht immer unkritisch übernommen werden dürfen. Die Breite der Aussagen in der Fachpresse reicht immerhin von "total falsch" bis "richtig". Tatsächlich ist das Ablaichverhalten und die Betreuung des Laiches grundverschieden von den bisher im Aquarium nachgezogenen Arten aus den anderen Gattungen der Unterfamilie Hypoptopomatinae. Die Nachzucht ist nicht sehr produktiv und wird wohl künftig einigen wenigen Liebhabern vorbehalten bleiben. Sicher ist Hypoptopoma cf. joberti auch kein Kandidat für die Hitparade des Zierfischsortiments. Die Vorliebe für zarte Aquarienpflanzen läßt es nicht zu, ihn in den Besatz eines gut bepflanzten Schaubeckens aufzunehmen. Für ausgesprochene Welsfreunde ist das sicher keine unüberwindliche Hürde.

 

Literatur

Breve Enciclopedia Popular del Peru, Ucayali 1. Tomo XXV. Puerto Esperanza Editores Lima, Peru (1987).

Baensch, H. A. & R.Riehl (1990/91): Aquarien Atlas, Band 2. Mergus Verlag, Melle.

Baensch, H. A. & R. Riehl (1997): Aquarien Atlas, Band 5. Mergus Verlag, Melle.

Elsholz, K.-D. & W. Elsholz (1994): Zwei selten importierte Arten aus Unterfamilie Hypoptopomatinae: Hypoptopoma sp. und cf. cristatus. BSSW-Report (1): 14 - 19.

Evers, H.-G. (1992): Harnischwelse Hypoptopomatinae. DATZ (10): 623.

Franke, H.-J. (1985): Handbuch der Welskunde. Urania-Verlag, Leipzig-Jena-Berlin.

Hieronimus, H. (1989): Welse. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart.

Riehl, R. & H. A. Baensch (1990/91): Aquarien Atlas, Band 1. Mergus Verlag, Melle.

Riehl, R. & H. A. Baensch (1990): Aquarien Atlas, Band 3. Mergus Verlag, Melle.

Schaefer, C. (l996): Das große Buch der Welse. bede-Verlag, Ruhmannsfelden.

Schraml, E. (l996): Harnischwelse - Ein Buch mit sieben Siegeln. TI (132). 10-13.

Wendenburg, H (1997): "Trommelfell-Welse" - Auf der Suche nach Otocinclus im Departement Ucavali, Peru. das Aquarium (11): 22-26.


Text und Fotos mit freundlicher Genehmigung des Birgit Schmettkamp Verlages

© Achim Weber 4/98

 

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