MARIN - Berichte - Süßwasser

Buschfische

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Prächtiges Männchen des Gebänderten Buschfisches, Microctenopoma fasciolatum .

 

Der Gebänderte Buschfisch

 

Pflege und Zucht von Microctenopoma fasciolatum

 

Text und Fotos: Dieter Bork _________________

 

Wenn Aquarianer von Labyrinthfischen sprechen, sind im allgemeinen die besonders farbenprächtigen Arten der südostasiatischen Familie Belontiidae mit den Gattungen Belontia, Betta, Colisa, Macropodus, Parosphromenus, Sphaerichthys, Trichogaster, Trichopsis und andere gemeint. Dabei finden sich unter den afrikanischen Buschfischen, besonders unter den in Westafrika beheimateten Arten der Gattung Microctenopoma, einige sehr interessante, schön gefärbte und für die Aquaristik gut geeignete Arten.

 

Die Gattung Microctenopoma wurde erst 1995 von Norris aus der Taufe gehoben. Bei ihren Arten handelt es sich um die Schaumnestbauer, die aus der Gattung Ctenopoma herausgenommen wurden. Als Gattungstyp wurde M. congicum festgelegt. Die Gattung ist in zwei Arten-Komplexe unterteilt: Microctenopoma congicum- und M. nanum-Komplex. Der Gattung gehören somit die folgenden Arten an :

 

Microctenopoma congicum-Komplex:

  • M. congicum (Boulenger, 1887),
  • M. fasciolatum (Boulenger, 1899) und
  • M. pekkolai (Rendahl, 1935);

 

Microctenopoma nanum-Komplex:

  • M. intermedium (Pellegrin, 1920),
  • M. lineatum (Nichols, 1923),
  • M. milleri (Norris & Douglas, 1991),
  • M. nanum (Günther, 1896)
  • M. nigricans (Norris & Douglas, 1995),
  • M. ocellifer (Nichols, 1928) und
  • M. uelense Norris & Douglas, 1995.

 

Zwei Arten blieben ohne weitere Zuweisung :

  • M. ansorgii (Boulenger, 1912) und
  • M. damasi (Poll & Damas, 1939).

 

Als ich im November 1997 bei einem Zoofachhändler zwei Becken mit Gebänderten Buschfischen, Microctenopoma fasciolatum, entdeckte, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen. Kurz entschlossen erwarb ich vier Paare. Mein Entschluß wurde besonders durch die Tatsache verstärkt, daß es sich um erwachsene Tiere mit einer Totallänge von gut 7 cm in ausgezeichneter Verfassung handelte.

 

__Beschreibung_____________

 

Die Heimat von Microctenopoma fasciolatum ist unter anderem der Pool Malebo bei Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo. Von dort erfolgen regelmäßige Importe in kleineren Anzahlen nach Europa. Hinsichtlich der Körpergrundfärbung scheint Microctenopoma fasciolatum variabel zu sein. Es wird von blauen und von braunen Farbschlägen berichtet. Anzunehmen ist, daß es sich hierbei um fundortbedingte Farbvarianten handelt. Bei den in den letzten Jahren importierten Tieren handelt es sich wohl um eine Übergangsform.

Die Männchen besitzen eine gelbbraune Körpergrundfärbung und sind mit sieben senkrechten, breiten, dunkelbraunen Bändern gezeichnet. Das prächtige unpaare Flossenwerk ist in der Grundfarbe ebenfalls dunkelbraun und mit großen silberblau leuchtenden, runden und länglichen Flecken dicht gezeichnet. Die relativ kurzen und breit angelegten Bauchflossen sowie der hintere Rand der Schwanzflosse und der untere Rand der Afterflosse sind besonders intensiv blau gefärbt. Die Kiemendeckel glänzen messingfarben.

Die Weibchen bleiben etwas kleiner. Das Flossenwerk ist nicht so prächtig wie bei den Männchen entwickelt. Auch die Färbung der Weibchen ist deutlich bescheidener. Auf ihrer braunen Grundfärbung werden sie nur durch die messingfarbenen Kiemendeckel und die sieben senkrechten goldgelben Bänder geschmückt. In Schreckfärbung erscheinen Männchen und Weibchen einheitlich braun. Die senkrechten Bänder sind dann kaum noch erkennbar. Dafür erstreckt sich dann vom Kiemendeckel bis zur Schwanzwurzel ein graugelbes, mäßigbreites Längsband.

 

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Zwei rivalisierende Männchen von  Microctenopoma fasciolatum . Falls das unterlegene Männchen keine Möglichkeit zum Ausweichen hat, kann es zu Verletzungen kommen.

 

__Pflege______________

 

Sind die Importtiere erst einmal eingewöhnt, erweisen sie sich als ausdauernde und leicht zu pflegende Aquarienbewohner. Der Gebänderte Buschfisch erreicht eine Totallänge von etwa 8 cm. Unter Berücksichtigung seiner Körperlänge sollte das Aquarium möglichst eine Kantenlänge von etwa 100 cm haben. Da nur wenig innerartliche Aggressivität gezeigt wird, können in einem 160-Liter-Becken durchaus drei oder vier Paare gepflegt werden. Die gemeinsame Pflege mit Zwergcichliden oder Salmlern geeigneter Größe ist ebenfalls sehr gut möglich.

Obwohl Microctenopoma fasciolatum nicht als ausgesprochen scheu zu bezeichnen ist, sollten doch bei der Beckeneinrichtung einige Unterstände, am besten aus Moorkienwurzelholz, vorgesehen werden. Aber auch dichte Pflanzenbestände werden gern als Unterstand genutzt. An die Wasserqualität werden offensichtlich keine besonderen Ansprüche gestellt, dennoch sollte man der Herkunft der Buschfische einigermaßen Rechnung tragen. Mit Wasserwerten von weniger als 10 °dGH bei einem pH-Wert unter 7,0 und einer Pflegetemperatur um 26 °C kommt man den natürlichen Bedingungen wohl in ausreichendem Maße nahe. Der Gebänderte Buschfisch ist ein Allesfresser. Neben Lebendfutter wird Frostfutter und gemahlenes Rinderherz besonders gierig gefressen. Bei entsprechendem Futterangebot werden große Mengen aufgenommen, wobei dann extrem pralle Bäuche zu sehen sind. Es erscheint bemerkenswert, daß - unabhängig von der Futterart und auch gleicher Fütterung über einen längeren Zeitraum - stets gleichbleibende, auffällig dicke dunkelolivfarbene Kotballen abgesetzt werden.

 

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Weibchen von Microctenopoma fasciolatum. Deutlich ist der kräftige Laichansatz zu erkennen. Die Schwanzflosse wurde von dem heftig treibenden Männchen zerzaust.

 

__Zucht______________

 

Microctenopoma fasciolatum gehört wohl zu den selten gepflegten Arten. Über seine Zucht wurde daher bisher auch nur wenig berichtet. Sie gestaltet sich jedoch vergleichsweise einfach und ähnelt durchaus der der schaumnestbauenden Arten der verwandten asiatischen Gattungen. Der Ansatz erfolgt am besten paarweise. Das Paar sollte sich in guter Kondition befinden und das Weibchen nach kräftiger Fütterung einen deutlichen Laichansatz zeigen. In dem Zuchtbecken mit einer Kantenlänge von mindestens 50 cm müssen Versteckmöglichkeiten für das Weibchen vorhanden sein, denn das Männchen kann sowohl vor als auch nach dem Ablaichen recht rabiat werden. Um die Zucht einzuleiten wird ein umfangreicher Wasserwechsel durchgeführt.

 

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Männchen beim Schaumnestbau.

 

Das Zuchtwasser sollte möglichst weich sein. Die Temperatur wird auf 28 °C eingestellt. Einige Schwimmpflanzen werden vom Männchen gern zum Einbezug in das Schaumnest genutzt. Zunächst wird meist nur ein kleines Schaumnest gebaut, das sich oft bald wieder auflöst. Das Weibchen hält sich während dieser Zeit meistens versteckt und kommt nur bei der Fütterung hervor. Sobald sich das Weibchen im Vordergrund zeigt, wird es sofort von dem erregten Männchen angebalzt und oft mit kräftigen Rammstößen attackiert. Diese Vorgänge wiederholten sich bei meinem Zuchtpaar drei Tage lang. Am vierten Tag hatte das Männchen unter einem Ceratoptheris-Blatt ein Schaumnest von etwa 8 cm Durchmesser gebaut. Das Schaumnest erhob sich rund 1 cm über die Wasseroberfläche hinaus. Am vierten Tag näherte sich das Weibchen öfters - meist über dem Boden schwimmend - dem unter dem Schaumnest wartenden Männchen. Das heftig balzende Männchen hatte nun die direkten körperlichen Attacken gegen das Weibchen fast völlig eingestellt. Nur selten kam es zu einem eher sanften und auffordernden Stoß. Von Zeit zu Zeit stieg das Paar gemeinsam bis dicht unter das Schaumnest auf, doch immer wieder entzog sich das Weibchen, bevor es zum eigentlichen Ablaichen kam. Möglicherweise wurde das Paar durch das Hantieren mit dem Fotoapparat vor dem Becken immer wieder zu sehr gestört.

 

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Pärchen beim Aufsteigen unter das Schaumnest.

 

Am fünften Tag stellte ich am frühen Nachmittag fest, daß das Paar abgelaicht hatte. Leider hatte ich den eigentlichen Laichakt versäumt. Deutlich waren am Rande des Schaumnestes einige weiße, scheinbar unbefruchtete Eier erkennbar. Das Schaumnest war zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich zerflossen. Es wurde jedoch noch vom Männchen betreut. Auch jetzt zeigte sich beim Fotografieren, daß Microctenopoma fasciolatum   bei Störungen wesentlich empfindlicher reagiert als beispielsweise asiatische Labyrinther.

 

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Pflanzen werden in das Schaumnest einbezogen, aber schon nach dem Ablaichen zerfließt es wieder.

 

Das Weibchen durfte jetzt sein Versteck nicht mehr verlassen. Es wurde sofort heftig angegriffen und verfolgt. Ich habe es daher alsbald entfernt. Bereits am zweiten Tag nach dem Ablaichen war das Schaumnest weitestgehend zerflossen. Die ölhaltigen Eier schwammen gruppenweise in Schaumnestresten, an Schwimmpflanzen und zum Teil an der Wasserlinie der Frontscheibe. Am dritten Tag nach dem Ablaichen trat das Larvenstadium ein: Der Dottersack war glasig, der Rücken und der Schwanzstiel waren grauweiß. Die Larven trieben in Rückenlage an der Wasseroberfläche. Vereinzelt machten Larven unkontrollierte wirbelnde Bewegungen. Bereits einen Tag später nahmen sie eine normale Schwimmlage ein, aber der Dottersack war noch nicht restlos aufgezehrt. Einen weiteren Tag später habe ich mit der zweimaligen Fütterung pro Tag begonnen. In den nächsten sechs Tagen wurde ausschließlich zweimal pro Tag mit Liquifry gefüttert. Ab dem siebten Tag wurden erstmals Artemia-Nauplien beigefüttert. Bereits jetzt waren mit Hilfe einer Leselupe die ersten Größenunterschiede zu erkennen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich zur Klärung des Beckens einen Schaumstoffilter in Betrieb genommen. In den nächsten Tagen konnte bei allen Jungfischen die Aufnahme von Artemia-Nauplien deutlich festgestellt werden. Die Beifütterung von Liquifry wurde eingestellt.

 

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Links: Während das Schaumnest zerfließt, verteilen sich die schwimmfähigen Eier auf der gesamten Wasseroberfläche. Rechts: Zunächst schwimmen die Larven in Rückenlage.

 

Der Größenunterschied bei den Jungfischen schien nun von Tag zu Tag größer zu werden. Bereits nach 14 Lebenstagen betrug der maximale Größenunterschied etwa 100 %. In der fünften Lebenswoche betrug der maximale Größenunterschied bereits etwa 300 %! Längst mußte ich feststellen, daß sich der Bestand von anfangs etwa 350 Jungfischen (schwer einzuschätzen) durch Kannibalismus auf annähernd die Hälfte reduziert hatte. Da ich nicht unbedingt Wert auf eine große Nachzuchtrate gelegt hatte, habe ich erst zu diesem Zeitpunkt die großen Tiere - es waren etwa 30 - herausgefangen. Bei der im Zuchtbecken verbleibenden Nachzucht haben sich wiederum etwa in der gleichen Anzahl vorwachsende Tiere herausgebildet. Bei zwei in einem Abstand von etwa sechs Wochen aufeinander erfolgten Nachzuchten wiederholten sich die vorgenannten Ereignisse in etwa gleicher Weise. Bei beiden Nachzuchten konnte eine Anfälligkeit gegen bakterielle Infektionen, wie sie öfter bei Nachzuchten von asiatischen Labyrinthfischen vorkommt, nicht festgestellt werden.

 

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Sobald der Dottersack aufgezehrt ist, verlassen die Jungfische die direkte Wasseroberfläche und verteilen sich auch in untere Wasserschichten.

 

__Fazit_______________

 

Meine bisherigen sehr geringen Erfahrungen mit afrikanischen Buschfischen der Gattung Microctenopoma sind sehr positiv. Die Pflege und auch die Nachzucht scheinen recht problemlos zu sein. Es ist erstaunlich, daß in der Aquaristik doch recht wenig Interesse für diese sehr interessanten und auch sehr hübschen Arten vorhanden zu sein scheint.

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Im Alter von fünf Wochen hat dieser Jungfisch eine Länge von 8 mm erreicht.

 

Literatur..........................................

Norris, S. M. (1995): Microctenopoma uelense and A. nigricans, a new genus and two new species of anabantid fishes from Africa. Ichthyol. Explor. Freshwater. Vol. 6, No. 4: 357-376


Mit freundlicher Genehmigung des BSV - Verlages

aus der Zeitschrift  " das Aquarium "

 

 

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