MARIN  Berichte - Süßwasser

Text und Fotos: Hans J. Mayland

Südamerikanische Salmler

Südamerikanische Salmler sind in eine Reihe von Familien unterteilt, deren Mitglieder, die sich nicht allein in ihrer Gesamtlänge von weniger als 2 cm, z. B. Nannostomus anduzei und N. digrammus bis um die 50 cm, z. B. Hydrolycus scomberoides und Rhaphiodon vulpinus, oder sogar 60 cm, wie Salminus affinis, unterscheiden, sondern auch durch ihre Nahrungsansprüche. Die Salmler, über die in dieser Berichtsserie gesprochen werden soll, sind klein und als Schwarmsalmler bekannt. Die meisten von ihnen kann man in den meisten Zoofachhandlungen erwerben. Sie stammen vorwiegend aus Amazonien im weiteren Sinne, also mit den eingeschlossenen nördlichen südamerikanischen Randstaaten Kolumbien, Venezuela und den Guyana-Ländern. Man nennt sie auch von "Amerikanischen Tetras". Sie sind in der Familie Characidae zusammengefaßt, die ihrerseits wiederum in etwa ein Dutzend Unterfamilien unterteilt ist.

Teil 1: Salmler der Gattungen Axelrodia, Boehlkea, Gymnocorymbus und Hasemania

Aus Gründen einer besseren Übersichtlichkeit möchte ich hier und in den folgenden Teilen die angesprochenen Salmler in alphabetischer Reihenfolge ihrer Gattungsnamen vorstellen.

 

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Pärchen (Männchen vorne) von Axelrodia stigmatias.

Axelrodia stigmatias

Als Géry feststellte, daß bestimmte Arten der Gattung Hyphessobrycon eine andere Bezahnung aufwiesen, beschrieb er 1965 die neue Gattung Axelrodia, zu der nun auch Hyphessobrycon stigmatias Fowler, 1914 gehört.

Axelrodia stigmatias lebt verstreut im Becken des Amazonas. Er erreicht eine Länge von etwa 3,5 bis 4,5 cm, liebt ein reichlich bepflanztes, jedoch möglichst geräumiges Aquarium mit teilweiser pflanzlicher Abdeckung der Wasseroberfläche und läßt sich gut mit Roten Neonfischen, Paracheirodon axelrodi, vergesellschaften. Das Aquarienwasser sollte möglichst weich und nitratarm sein sowie leicht sauer reagieren. Bei der Fütterung zeigt sich A. stigmatias als Allesfresser, bevorzugt jedoch fleischliche Kost.

 

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Ein Schwarm von Cochus Salmler, Boehlkea fredcochui, wirkt in einem schön bepflanzten Aquarium ausgesprochen attraktiv.

Boehlkea fredcochui

Boehlkea fredcochui wurde zusammen mit der Gattung von Géry (1966) erstbeschrieben. Die Gattung ist bis heute monotypisch geblieben, wenngleich Géry (1977) die Frage offen läßt, ob die von Boehlke 1958 als Hemibrycon orcesi beschriebene Art wegen der ebenfalls beschuppten Schwanzflosse nicht auch der Gattung Boehlkea anzuschließen sei. Der Cochus Salmler wird etwa 4 cm lang. Er stammt vom oberen Amazonas und zwar genau von der Einmündung des Rio Maranon in Perú über Iquitos bis in die Umgebung von Leticia am südlichen Zipfel von Kolumbien, von wo aus er zumeist importiert wird. Andererseits gibt es leichte farbliche Unterschiede zwischen den Leticia-Importen und denen aus Lima, die aus peruanischen Gewässern stammen.

Geschlechtliche Unterschiede sind nicht leicht festzustellen, wenn man davon absieht, daß die Weibchen etwas rundlicher ausfallen. Boehlkea fredcochui liebt ein Leben im Schwarm, der aber nicht zu groß sein muß; dazu ein nicht zu hell eingerichtetes Aquarium mit sehr weichem, kräftig saurem und möglichst nitratarmem Wasser. Ist das Aquarium zu hell beleuchtet, so kommen die Farben nicht voll zur Geltung! Deshalb allein lohnt sich der Eintrag von Schwimmpflanzen. Cochus Salmler kann sehr lebhaft sein, auch wenn er von Zeit zu Zeit eine Ruhepause einlegt und dann unter nach oben hin schützenden Blätter steht. Bei der Nahrungsaufnahme erweisen sich die Fischchen als problemlos: Flockenfutter wird ebenso genommen wie Mückenlarven, Nauplien oder tiefgekühlte Adulttiere von Artemia, Wasserflöhe usw., wobei natürlich der fleischlichen Nahrung meistens der Vorzug gegeben wird. Die Zucht kann nur mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen erfolgreich sein, weil die Freilaicher zu den starken Laichräubern zählen.

 

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Trauermantelsalmler, Gymnocorymbus ternetzi.

Gymnocorymbus ternetzi

Der Trauermantelsalmler, Gymnocorymbus ternetzi, wurde von Boulenger (1895) erstbeschrieben und gehörte früher zu den bekanntesten Aquarienfischen. Heute ist der rauchig gefärbte Trauermantelsalmler durch buntere Arten etwas in den Hintergrund gedrängt worden. In der 1908 von Eigenmann aufgestellten Gattung gilt G. thayeri als Gattungstype. Neben den beiden genannten Arten gehören mit G. latissimus vom oberen Amazonas (Tabatinga) und G. socolofi vom oberen Río Meta zwei weitere Arten zur Gattung.

Der Trauermantelsalmler stammt aus dem Gebiet des zum brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso gerechneten Oberen Río Guaporé und dem Gebiet des oberen Río Paraguay. Die hochrückigen Fische erreichen eine Gesamtlänge von etwa 5,5 cm. Die Männchen erkennt man an den weißen Spitzen der Schwanzflosse. Insgesamt ist der Trauermantelsalmler ein anspruchsloser Pflegling.

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Männchen des Kupfersalmlers, Hasemania nana.

Hasemania nana

Hasemania nana wurde von Reinhardt in Lütken (1874) als zur Gattung Hemigrammus zugehörig beschrieben. Hasemania marginata gilt als Synonym. Als Ellis (1911) die Gattung Hasemania aufstellte, beschrieb er gleichzeitig H. melanura als Gattungstype.

Hasemania nana ist weithin als Kupfersalmler bekannt. Seine Verbreitungsgebiete liegen nicht in Amazonien, sondern im ziemlich isoliert gelegenen Becken des großen Río Sao Francisco in Ostbrasilien. Je nach Herkunft kann eine kleine Fettflosse vorhanden oder so stark reduziert sein, daß sie kaum feststellbar ist.

Obgleich der Kupfersalmler eine Länge von 4 bis 5 cm erreicht, wirkt er im Aquarium doch relativ zierlich. Wie der Populärname andeutet, sind Kopf und Körper mit einer kupferfarbenen Tönung überzogen. Eine schwarzblaue Längsbinde zieht sich von der Körpermitte bis zum Schwanzende. Bei Männchen zeigen die unpaaren Flossen am schwärzlichen Ende leuchtendweiße Spitzen. Die friedlichen Tiere halten sich bevorzugt in den mittleren Wasserschichten auf. An die Wasserqualität stellen sie keine übertriebenen Ansprüche, was heißt, daß es möglichst weich, nitratarm und gut durchlüftet sein sowie leicht sauer reagieren sollte. Ähnliches gilt für die Ernährung: Flockenfutter guter Qualität wird sehr gern genommen, wobei einmal je Woche eine fleischliche Zusatzkost aus der Tiefkühltruhe gereicht werden sollte.

Die Männchen dieser Schwarmfische können sich als stürmische Liebhaber erweisen, die den Weibchen dann arg nachstellen. Aus diesem Grund soll bei der Einrichtung des Aquariums auch an Versteckplätze in Form dichten Pflanzenwuchses gedacht werden.

Zur Zucht wird der Kupfersalmler bei einer Gesamthärte unterhalb von 6 °dGH und einer Temperatur um 24 °C paarweise in einem Aquarium mit etwa 20 l Inhalt angesetzt. Als vorgesehenes Laichsubstrat dient ein Javamoosbüschel. Da sich die Eltern als arge Laichräuber zeigen, müssen entsprechende Vorkehrungen (Laichrost oder ähnliches) getroffen werden. Ist das Paar in guter Verfassung und das Weibchen (hoffentlich) laichbereit, beginnt schon bald das erwähnte Treiben des Männchens. Die Laichabgabe und anschließende Befruchtung der Eier kann sich über eine Stunde oder mehr hinziehen. Ist beides beendet, ist das Paar aus dem oben genanntem Grund herausgefangen werden. Die kleinen Eier sind trübe und nicht, wie bei den meisten Salmlern, klar. Sie entwickeln sich innerhalb von 24 Stunden bis zum Schlupf der Larven, die sich nach weiteren vier bis fünf Tagen zu freischwimmenden, wenn auch noch sehr kleinen Jungfischen mausern. Aufgrund der geringen Größe ist die Aufzucht schwer, wenn das richtige Futter fehlt. Liquifry oder Rädertierchen können zum Überbrücken der ersten Tage beitragen. Nach etwa einer weiteren Woche können Artemia-Nauplien angeboten werden.


Text und Fotos mit freundlicher Genehmigung des Birgit Schmettkamp Verlages

© Achim Weber 3/98

 

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