MARIN  Berichte - Süßwasser

Glyptoperichthys scrophus

Bemerkenswertes zum Nashorn – Segelflossen – Harnischwels

Text und Foto: Hans J. Mayland 

Nachdem bisher nur einzelne Tiere des Nashorn – Segelflossen – Harnischwels als Beifänge zu uns gelangten und diese meist als Pterygoplichthys sp. geführt wurden, haben sich Page, Armbruster & Sabaj (1996) darangemacht, die Erstbeschreibung in Verbindung mit dem hinterlegten Bestimmungsmaterial zu suchen und zu überprüfen. Sie fanden beides und mußten feststellen, daß es sich bei diesem Segelflossen – Harnischwels keinesfalls um eine bisher wissenschaftlich unbeschriebene Art handelt. Vielmehr war sie bereits 1874 von COPE als Liposarcus scrophus beschrieben worden.

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Glyptoperichthys scrophus kommt in unterschiedlichen Lebensräumen vor, z.B. in diesem sonnenbeschienenen, dunkelfarbenen Gewässer in der Umgebung von Iquitos.

 

WEBER bearbeitete 1991 die Gattung Pterygoplichthys: Dabei revalidierte er eine Gattung und stellte eine neue auf. Außerdem kam es auch zu neuen Artzuweisungen innerhalb dieser Gattung. Es waren:

Pterygoplichthys GILL; 1858 mit den Arten

- P. etentaculatus (SPIX, 1829),

- P. undecimalis (STEINDACHNER, 1878)

- P. zuliaensis WEBER, 1991.

Liposarcus GÜNTHER, 1864 mit den Arten

- L. anisitsi (EIGENMANN & KENNEDY, 1903),

- L. disjunctivus WEBER, 1991,

- L. multiradiatus (HANCOCK, 1828),

- L. pardalis (CASTELNAU, 1855).

Glyptoperichthys WEBER, 1991 mit den Arten

- G. gibbiceps (KNER, 1854) vom Amazonas – und Orinokobecken,

- G. joselimaianus WEBER, 1991 vom Becken des Rio Tocantis,

- G. lituatus (KNER, 1854) vom Becken des Rio Madeira (oberer Xingú ?),

- G. parnaibae WEBER,1991 vom Becken des Rio Parnaiba,

- G. punctatus (NATTERER, 1854) vom gesamten Amazonasbecken,

- G. xinguensis WEBER, 1991 vom Becken des Rio Xingú,

- G. scrophus (COPE, 1874) vom oberen Amazonas in Perú (Provinz Loreto, Rio Ucayali und Rio Maranon).

 

Obgleich COPE den Nashorn – Segelflossen – Harnischwels bei seiner Erstbeschreibung zur Gattung Liposarcus gestellt hatte und diese Gattung mit der Arbeit von WEBER revalidiert (= wieder gültig gemacht) wurde, mußten PAGE, ARMBRUSTER & SABAJ (1996) ihn aufgrund seiner Körpermerkmale in die Gattung Glyptoperichthys, die früher noch nicht aufgestellt war, eingliedern.

 

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Glyptoperichthys scrophus kann seine Grundfarbe von heller Tönung (oben) in eine dunklere (unten) wechseln.
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Wegen seiner "Nasenhörner" hat man den Tieren im Englischenden Populärnamen "Rhinoceros Sailfin"

(= "Nashorn – Segelflosser") verliehen. Die Endgröße der Fische konnte bisher noch nicht exakt ermittelt werden. Das auf Seite 13 abgebildete Tier hatte eine Gesamtlänge (TL) von 140 mm. Die von den Präparaten der Autoren vermessene und angegebenen Maximallängen betragen 273, 4 mm (near Iquitos, Sept. 1920

SL o. TL ?); 225,0 mm (Yarinacocha/Pacayá, Aug. 1920- SL o. TL ?); 105, 9-215,2 mm SL (Yarinacocha, Aug./ Sept. 1920).

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Links: Deutlich erkennt man die beiden "Nasenhörner" vor den Augen. Rechts: Das Auszählen der Rückenflossenstacheln (13 oder 14) läßt deutlich erkennen, daß es sich bei Glyptoperichthys scrophus um ein Mitglied aus der Gruppe der Segelflossen – Harnischwelse handelt und nicht um eines der Hypostomus – Gruppe (7 oder 8).

Der Artname ist in der lateinischen Form von "scrofa" verwendet, was nach den Angeben der Autoren soviel wie "züchtende Sau" bedeutet. Im Aquarium oder einer Station wurde Glyptoperichthys scrophus meines Wissens noch nicht zur Nachzucht gebracht, so daß die vielleicht irreführende Bedeutung des Artnamens wohl erst noch erforscht werden muß. Ich hielt Tiere über viele Monate in einem 120 cm langen Aquarium, in dem sie während dieser Zeit kaum merkbar weiterwuchsen. Ihre Pflege war problemlos. Sie nahmen abwechselnd sowohl vegetarische als auch fleischliche Nahrung zu sich. Besonders scheu waren sie nicht, jedoch bevorzugt nachtaktiv. Tagsüber blieben sie meist in ihrem Versteck. Zur Aufnahme von Leckerbissen ließen sie sich jedoch nicht lange bitten.

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Halberwachsenes Exemplar von Glyptoperichthys joselimaianus, ein Rarität unter den Segelflossen – Harnischwelsen.

 

Literatur _______________________________________

Page, L. M., J. W. Armbruster & M. H. Sabaj (1996):Redescription of Glytoperichthys scrophus, a. loricariid Catfish from Peru. Ichthyol. Explor. Freshwaters 7 (2): 185 – 191.

Weber, C. (1991): Nouveaux taxa dans Pterygoplichthys Sensu lato. Rev. Suisse Zool. (98): 637 – 643.

Weber, C. (1992): Revision du genre Pterygoplichthys Sensu lato. Rev. Fr. Aquariol. (19); 1 – 36.

 


Text und Fotos mit freundlicher Genehmigung des Birgit Schmettkamp Verlages

© Achim Weber 2/98

 

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