MARIN  Berichte - Süßwasser

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Erfahrungen mit Cichlasoma managuense

Geschrieben von Günter Bertels

E-Mail: Guebertels@aol.com

Ich beschäftige mich schon einige Jahre mit der Aquaristik. Angefangen mit Gesellschaftsaquarien, über Zwergbuntbarsche bis zu ostafrikanischen Buntbarschen aus den großen afrikanischen Seen (Malawi, Tanganjika, Victoria).

Meine eigentliche Leidenschaft galt aber schon immer den amerikanischen Cichliden der Bullenklasse. Im letzten Jahr war das soweit, ich las eine Verkaufsanzeige von "Cichlasoma managuense"ein ca 50 cm groß werdender Guapote aus Mittelamerika. Für mich ist das einer der schönsten Buntbarsche Amerikas. Ich rief sofort an und vereinbarte ein Treffen. Schon der erste Blick auf das Pärchen überzeugte mich. Sie hatten eine weiße Körperfarbe mit unregelmäßigen schwarzen Flecken, um das Maul herum zeigten sie eine leicht goldene Färbung und die Flossen hatten einen leichten grünlichen Schimmer, sie hatten eine Größe von ca.30/25 cm. Über den Preis wurden wir uns auch schnell einig,(was bei amerikanischen Cichliden ja sehr viel einfacher als bei den Afrikanern ist) und so war ich nach gut zwei Stunden der stolze Besitzer von einem wunderschönen Pärchen C.managuense. Zuhause angekommen kam die erste Ernüchterung, in meinem Eifer hatte ich ganz vergessen darüber nachzudenken wo ich die Fische unterbringen sollte. Ich hatte allerdings auch nicht damit gerechnet ein so großes Pärchen zu bekommen. Das einzige Becken das bei mir im Keller noch frei war, war ein 250 Liter Aquarium in dem nur einige Ancistrus lebten. Also mußten die beiden erst mal damit Vorlieb nehmen. Es schien ihnen auch gar nicht so unangenehm zu sein, denn schon nach einigen Tagen konnte ich die beiden bei abwechselndem heftigen Maulzerren und elegantem umherschwimmen beobachten, manchmal kam es auch vor das daß Männchen zu aufdringlich wurde und das Weibchen die Flucht ergreifen mußte. Die Beißereien die es manchmal dabei gab führten glücklicherweise zu keinerlei Verletzungen.

Allerdings machte mich dieses Verhalten, das ich von meinen anderen Barschen nicht kannte etwas unruhig. In den nächsten Tagen begannen die beiden Berge von Sand zu bewegen und legten dabei fast die komplette Bodenscheibe frei. Es dauerte noch drei Tage da kam das Männchen als ich den Keller betrat, mit abgespreizten Kiemen und Flossen an die Scheibe geschossen. Bei genauerem hinsehen erkannte ich auch den Grund dafür, denn auf dem Boden lagen ca.800 kleine bräunliche Eier die von beiden Fischen energisch verteidigt wurden. Man konnte trotz des kleinen Beckens eine deutliche Aufgabenteilung erkennen. Während das Weibchen das Gelege bewachte, verteidigte das Männchen das restliche Revier das in diesem fall auf fast das ganze Becken zutraf.

Die in dem Aquarium verbliebenen Ancistrus konnten einem richtig leid tun denn sobald eine Flosse von ihnen zu sehen war wurden sie gnadenlos verjagt. Zum Glück gab es genug Verstecke. Nach ca.5 Tagen waren die Larven ausgeschlüpft.

Sie wurden mit einer Vorsicht und Behutsamkeit die man den beiden gar nicht zugetraut hätte in eine vorher ausgehobene Grube gebracht. Jetzt dauerte es noch ungefähr eine Woche bis die Babys freischwammen, es war ein überwältigender Anblick wie die beiden sichtlich stolzen Eltern zwischen ihrem Nachwuchs standen. Zu dieser Zeit wurden die Eltern noch aggressiver als sie ohnehin schon waren, alles was eine Flosse hatte wurde verjagt selbst ich wurde angegriffen als ich versuchte im Becken zu hantieren ,was ich aber schnell unterließ .

Vier Wochen später, die Babys waren mangels Feinden noch sehr zahlreich und durch Fütterung von frisch geschlüpften Artemia - Nauplien schon beträchtlich gewachsen, stellte ich im Wohnzimmer ein 450 Liter Becken auf. Es wurden mit einigen schweren Steinen Höhlen gebaut und mit Holzwurzeln dekoriert zum bepflanzen nahm ich Riesenvalisnerien, Anubias und Javafarn den ich mit Angelschnur an die Steine band. Ich lies das Becken noch zwei Wochen einlaufen und setzte nun meine Managuense in das neue Aquarium. Hierbei beging ich wie ich vermute einen sehr schweren Fehler, ich setzte die beiden ohne ihre Jungtiere um. Zusätzlich besetzte ich das Becken mit einem ca.15 cm großen Panaque suttoni und zwei etwas größeren Hypostomus plecostomus. Die ersten Tage schwammen die beiden C.managuense verwirrt im Aquarium umher und versteckten sich bei der geringsten Bewegung außerhalb des Beckens. Doch schon nach zwei Wochen wurden sie viel zutraulicher. Ich fütterte sie mit Sticks, Mückenlarven, Mysis, Artemia, Bachflohkrebsen und ab und zu mit kleinen Fischen die allerdings meistens Nachts gefressen wurden. Nach nochmal zwei Wochen begannen erneute Balzspiele. Diesmal konnte ich es noch genauer beobachten. Es begann damit das daß Männchen vor dem Weibchen herschwamm und die Flossen aufstellte und mit heftigen schütteln des Körpers das Weibchen anlockte, wenn das Weibchen nicht reagierte wurde es gejagt, allerdings dauerte es nicht lange und das Weibchen erwiderte die Werbung. Nun wurde das Verhalten sehr abwechslungsreich, mal schwammen die beiden eine ganze Zeitlang umeinander her dann wieder begannen sie plötzlich mit Maulzerren das mitunter ein paar Minuten anhalten konnte und ziemlich brutal aussah. Am Anfang konnte ich mir nur sehr schwer vorstellen daß das Paarungsrituale sein sollten. Zu diesem Zeitpunkt konnte man auch deutlich erkennen das ein Revier verteidigt wurde, die Welse wurden jetzt in diesem nicht mehr geduldet. Beide begannen nun damit ein Brutplatz freizulegen, allerdings jeder einen anderen. So wie es aussah konnten die beiden sich nicht auf einen gemeinsamen Platz einigen, mal standen sie über dem einen mal über den anderen Platz und immer wenn ich dachte jetzt geht es bald los wechselten sie den Ort. Ein paar Tage später ,ich sah Morgens in das Becken, lagen überall auf dem Sand Eier teilweise zu einem Klumpen zusammengeklebt. Die beiden Fische schienen sich auch nicht mehr füreinander zu interessieren, jeder ging seinen eigenen Weg. Ich kann nur vermuten das die beiden sich nicht über den Laichplatz einigen konnten und das Weibchen die Eier einfach irgendwo ablegte und sie dort von dem Männchen nicht befruchtet wurden. Das Weibchen war von jetzt an ziemlichem Streß ausgesetzt den schon nach kurzer Zeit wurde es wieder vom Männchen bedrängt. Nach zwei Wochen begann das Weibchen die Werbungen abermals zu erwidern und diesmal einigten sie sich ziemlich schnell auf einen Laichplatz.

Es wurde eine geeignete Steinplatte gesäubert und dabei Berge von Sand bewegt, die Pflanzen die im Weg standen wurden kurzerhand beseitigt und schon kurze Zeit später laichten die beiden ab. Schon kurz vorher hatte ich die beiden Plecostomus entfernt da sie wegen ihre Größe kein geeignetes Versteck finden konnten und permanent gejagt wurden. Das Ablaichen zog sich über mehrere Stunden hin. Die beiden schwammen im Kreis wobei das Weibchen immer ein paar Eier ablegte und das Männchen sie dann befruchtete. Als sie endlich fertig waren hatten sie wieder ein gigantisches Gelege.

Am Anfang verhielt sich auch alles so wie beim ersten mal aber schon nach ein paar Stunden konnte ich die beiden bei erneutem Maulzerren beobachten was mich sehr verwunderte. Die beiden steigerten sich so in den Kampf rein das durch ihre heftigen Körperbewegungen große Teile des Geleges zerstört wurden. Es hatte den Anschein als stritten die beiden um die Eier, da das Männchen viel größer und kräftiger war unterlag das Weibchen und wurde von dem Männchen verjagt. Das ging soweit das ich das Männchen schließlich aus dem Becken entfernen mußte. Sofort übernahm wieder das Weibchen die Verteidigung des Geleges von dem nicht mehr viel übrig geblieben war.

Meine erste Vermutung war das die beiden, da ich sie bis auf den P.suttoni alleine hielt ihre Agressivität nicht abbauen konnten und deshalb aufeinander losgingen. Also besorgte ich mir ein paar ca.15cm große C.citrinellum die ich mit in das inzwischen neu eingerichtete Aquarium setzte, das Männchen setzte ich ebenfalls wieder dazu. Zu meinem Erstaunen schwammen meine Sorgenkinder Seite an Seite als sei nie etwas gewesen.

Nach einigen Wochen ging auch das balzen wieder von vorne los. Und nach dem die Eiablage vorbei war begann wieder das alte Spiel, die Eltern prügelten sich und die anderen Fische fraßen die Eier. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Nase von den beiden Streithähnen so gestrichen voll das ich sie abgab.

Mittlerweile, nach Gesprächen mit anderen Aquarianern bin ich zu dem Schluß gekommen das ich die beiden nicht ohne ihre Jungtiere hätte umsetzen dürfen. Denn ich nehme an das durch den plötzlichen Verlust des Nachwuchses die enge Partnerschaft in die Brüche ging. Dieses ist zwar nicht gerade ein positiver Bericht über die schon ohnehin durch viele Vorurteile (Agressivität ,Freßmaschinen, Aquarienumdekorierer usw.) belasteten Amerikanischen Cichliden, aber hier lagen ja die Fehler wohl eindeutig beim Halter. Ich habe auch später noch amerikanische Buntbarsche gehalten und dabei gute Erfahrungen gemacht. Das Sozialverhalten dieser Tiere hat mich immer wieder fasziniert und bei richtiger Pflege und Haltung sind es auch keine Problemfische wie leider immer wieder behauptet wird.


© Achim Weber 6/98

 

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