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 "Copadichromis borleyi" ein Utaka aus dem Malawisee

Geschrieben von Günter Bertels

email. Guebertels@aol.com

Bei dem Besuch eines Zoogeschäftes sah ich eines Tages einen wunderschönen Fisch. Ich war von seiner Schönheit sofort fasziniert. Er war ca.15cm groß und hatte einen stahlblauen Kopf mit einem rot- orangenen Körper, außerdem fiel mir auf das er sehr lange Brustflossen hatte, was mir sehr gut gefiel. Da ich mich damals erst seit kurzem mit Barschen beschäftigte hatte ich keine Ahnung was es für eine Art war und auch nicht wo er herkam. Der Besitzer des Zoogeschäfts erklärte mir das der Name "Red Fin" sei und er aus dem Malawisee komme. Als er mir das dazugehörige Weibchen zeigte war ich sehr überrascht, denn das Weibchen war gar nicht so unscheinbar wie ich das von anderen Arten aus dem Malawisee kannte. Es hatte einen silbrigen Körper mit sehr schönen orangenen Flossen. Natürlich verließ ich das Geschäft nicht ohne das Pärchen.

Zuhause setzte ich es in mein 500 Liter Aquarium, das ich erst vier Wochen vorher von einem Gesellschaftsbecken auf Barsche umgestellt hatte, das teilte er sich nun mit L.caeruleus, P.zebra und A.stuartgranti. Von jeder Art hatte ich jeweils ein Pärchen,denn damals wußte ich noch nicht das man Maulbrüter nicht Pärchenweise halten sollte. Im Zoogeschäft hatte ich schon beobachten können das er ein großes Durchsetzungsvermögen hat, bei mir Zuhause war das nicht anders er behauptete sich sofort und verteidigte das von ihm ausgesuchte Revier. Nach einigen Tagen konnte ich beobachten das daß Weibchen permanent verjagt wurde. In der Zwischenzeit hatte ich mich etwas mit der Theorie beschäftigt und ging davon aus das eine Weibchen einfach zu wenig war. Außerdem hatte ich heraus gefunden das der wissenschaftliche Name "Copadichromis borleyi"war. Zum Glück hatte das Weibchen genug Versteckmöglichkeiten und konnte sich jedesmal in Sicherheit bringen aber auf Dauer konnte das nicht gut gehen, zudem es bei den anderen Arten ähnlich war. Also mußte ich meinen Besatz neu durchdenken. Ich machte mich auf den Weg um noch ein bis zwei Weibchen zu kaufen.

Aber haben sie schon mal versucht in einem Zoogeschäft einzelne Weibchen zu kaufen?

Überall wo ich anfragte (wenn sie überhaupt C.borleyi hatten)sagte man mir das sie die nur Pärchenweise abgeben. Also gab ich erst mal auf. Ein paar Tage später fand ich meinen Lieblingsfisch vertrocknet auf dem Teppich liegen denn ich hatte in meiner Unwissenheit das Becken nicht abgedeckt und so war er wohl bei einer Jagd aus dem Aquarium gesprungen. Jetzt hatte ich nur noch ein einzelnes Weibchen und wollte mir ein weiteres Pärchen dazukaufen so das ich immerhin schon eine Gruppe von 1:2 gehabt hätte. Aber in den nächsten Tagen hatte ich keine Zeit, also verschob ich das erst mal. Das Weibchen schien sich auch so ganz wohl zu fühlen(endlich konnte es mal ungestört umherschwimmen und Futter aufnehmen).Ungefähr eine Woche später glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen den das Weibchen bekam einen blauen Kopf und einen roten Körper. Drei Wochen später hatte ich ein wunderschönes Männchen von C.borleyi in meinem Aquarium. Erst konnte ich mir gar nicht vorstellen was da passiert war, hatte ich doch in gutem Glauben ein "Pärchen"gekauft. Durch Gespräche mit anderen Barschliebhabern erfuhr ich das ein unterdrücktes Männchen die Weibchenfärbung annehmen kann und so war es in meinem Fall. Jetzt war es Zeit sich mal genau über diese Art zu informieren.

 

C.borleyi wird häufig unter dem Namen "Haplochromis Red Fin verkauft und kommt fast überall im Malawisee vor, es gibt jedoch viele geographische Unterschiede. Es gibt zwei bekannte Varianten, die Red Kadango und die Goldfin Variante. In tieferen Regionen haben die Männchen charakteristisch verlängerte Brustflossen. Auch bei den Weibchen unterscheidet sich die Färbung nach den geographischen Rassen. Die Red Kadango Variante haben rote Flossen und die der Gold Fin Variante gelbe. Normal erreichen die Männchen eine maximale Körpergröße von 16 cm und die Weibchen 13 cm. Sie können aber unter künstlichen Bedingungen wesentlich größer werden. C.borleyi trifft man in Fels- und Sandregionen an wobei sie in den Sandregionen in großen Schulen anzutreffen sind.

Während die Art in der Natur vorwiegend an großen Felsen ablaicht werden im Aquarium und im flachen Wasser von dem Männchen Sandnester auf flachen Felsen gebaut. Ein charakteristisches Merkmal für C.borlayi sind die verlängerten Brustflossen.

Mit diesen Informationen machte ich mich daran neu Tiere von C.borleyi zu besorgen.

Bei einem Züchter erstand ich zwei einzelne Weibchen die ich zu meinem Männchen setzte. Am Anfang verlief sogar alles recht harmonisch, nach ein paar Wochen wurde auch nach typischer Maulbrütermanier abgelaicht. Aber mit der Zeit mußte ich beobachten wie das eine Weibchen das andere verjagte sobald sie sich irgendwo blicken ließ. Ich stand wieder mal vor einem Rätsel. Ich vermute das daß stärkere Weibchen die Rolle des unterlegenen Männchen übernommen hatte. Nun war ich es leid und besorgte mir 15 ca.5cm große Jungtiere die ich in einem separatem Becken unterbrachte. Bei einer Größe von 8-9cm begann sich der erste Fisch umzufärben und bei einigen anderen konnte man auch vermuten das es Männchen sind. Nach einiger Zeit hatten sich zwei Männchen voll durchgefärbt und ließen sich auch größtenteils in Ruhe die anderen Männchen (es waren noch 4St.)behielten die Weibchenfärbung. Jeder der beiden Böcke beanspruchte ein Revier das er auch vehement gegen den anderen verteidigte, natürlich hatte der Alpha Bock das größere Revier. Mittlerweile wurde auch regelmäßig abgelaicht ,das aber fast immer mit dem Alphabock geschah, er hatte halt das größere Durchsetzungsvermögen. Das Ablaichverhalten spielte sich immer gleich ab, das Männchen begann einen von ihm ausgesuchten Stein mit Sand den er vom Beckengrund heraufholte zu bedecken, zwischendurch versuchte er immer wieder einzelne Weibchen mit heftigen lateralen Körperschütteln anzulocken. Wenn ein Weibchen laichwillig war, ließ es sich vom Männchen zu dem vorbereiteten Laichplatz führen und nach einigem hin und her begann das Ablaichen. Was nach typischer Maulbrütermanier geschah, beide schwammen im Kreis umher, das Weibchen legte immer 3-4 Eier ab die dann von dem Männchen besamt wurden. Nach meinen Beobachtungen geschah das vor der Eiaufnahme des Weibchens, denn das Männchen schwamm über die Eier und blieb dort ein paar Sekunden lang mit leicht zitterndem Körper stehen. Es machte auch keine Anstalten sich dem Maul des Weibchens zu nähern. Die Bruten bei C.borleyi können sehr groß sein, ich hatte Weibchen die hatten Gelege von fast 90 Jungen. Die Jungfische wurden nach ca.21 Tagen aus dem Maul entlassen und machten danach auch keine Anstalten mehr es noch einmal aufzusuchen, was bei der Menge auch kaum möglich war. Untereinander verhielten die Weibchen sich jetzt sehr harmonisch es gab fast nie Auseinandersetzungen.

Obwohl C.borleyi sich in der Natur vorwiegend von Plankton ernährt wurde im Aquarium jede Art von Lebend oder Trockenfutter angenommen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, das wenn man C.borleyi in einer Gruppe von mindestens 2:7 in einem ausreichend großem mit vielen Höhlen und Spalten eingerichtetem Aquarium hält es kein größeren Problemen kommt. Diese Erfahrung trifft bestimmt auch auf einige andere Arten zu.

Leider mußte ich wegen Umzugs meine Fische aus Zeit- und Platzgründen abgeben so das ich keine weiteren Beobachtungen mehr machen konnte. Aber sobald ich wieder mehr Zeit habe werde ich ganz bestimmt wieder ein Aquarium haben und dann auch C.borleyi pflegen. In der Zwischenzeit suche ich jede Information die über diese Fische zu bekommen sind. Es gibt bestimmt einige die zum Teil mit den in diesem Artikel gemachten Angeben nicht völlig mit mir übereinstimmen, aber das regt wenigstens zu Diskussionen an und das ist immer von Vorteil.

Sollte jemand die gleichen oder andere Erfahrungen gemacht haben währe ich erfreut davon zu hören.

 

Literaturnachweis: Ad Konings "Das große Buch der Malawi Cichliden" Bede Verlag

 

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© Achim Weber  6/98