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Das Aquarium für ostafrikanische Buntbarsche (Cichliden)

Geschrieben von Günter Bertels

E-Mail: Guebertels@aol.com

 Als ich mich vor einigen Jahren dafür entschied, Buntbarsche aus dem Malawisee zu halten, stand ich vor einem großem Problem. Ich hatte damals überhaupt keine Ahnung was diese Fische für Ansprüche an ihre Umgebung stellen. Meine Erfahrungen bestanden bis dahin fast ausschließlich aus der Pflege von Lebendgebärenden und Zwergbuntbarschen.

Bei Nachfragen in Zoogeschäften erhielt ich sehr unterschiedliche Antworten, und auch die Fachliteratur ging nur vereinzelt und sehr sparsam auf die richtigen Haltungsbedingungen ein. Heute weiß ich das es für Buntbarsche keine pauschalen Haltungsempfehlungen gibt.

Es gibt dennoch ein paar Richtlinien die für alle Cichliden gelten.

Der Standort:

Buntbarsche sind sehr schreckhafte Tiere, die sich bei der kleinsten ungewohnten Störung sofort verstecken. Also sollte man bedenken das Aquarium nicht an Orten aufzustellen, an denen die Fische ständig überrascht werden. Das sind zum Beispiel Zimmerein, - und ausgänge. Das Aquarium sollte nicht in Zimmern von kleinen Kindern oder im Flur aufgestellt werden. Über die Plazierung von Aquarien an sehr sonnigen Orten sollte man ebenfalls absehen, will man übermäßigen Algenwuchs und die Überhitzung des Beckens vermeiden. Da man für Barsche teilweise sehr große Aquarien braucht, wäre es ratsam sich schon vorher Gedanken über die Tragfähigkeit des Bodens zu machen.

Die Aquarien:

Bei der Frage nach der Aquariengröße, muß man eigentlich auf die individuellen Ansprüche der zu pflegenden Fische verweisen. Man kann aber sagen das ein Becken mit einer Länge von 150 cm und einer Tiefe von wenigstens 60 cm für fast alle Barsche aus dem Malawi - und auch Tanganjikasee ausreichend ist. Die Höhe des Aquariums spielt bei diesen Barschen eine untergeordnete Rolle. Sollten man sich für ein kleineres Becken entscheiden, muß beachtet werden das auch die Auswahl der in Frage kommenden Fische begrenzt ist.

Bei der Aufstellung der Aquarien ist das übliche zu beachten (stabiler Unterbau, Styropor als Auflage usw.). Beim Kauf sollte die Bodenscheibe nicht zu dünn gewählt werden, damit sie vom Gewicht der Steinaufbauten nicht reißt. Ansonsten ist jede Art Aquarium geeignet. Das Becken muß immer gut abgedeckt sein, damit die Fische nicht nach einer Verfolgungsjagd auf dem Teppich landen. Die Rückwand des Aquariums kann man auf vielerlei Arten gestalten, auf keinen Fall empfiehlt sich die im Handel erhältliche Pflanzenrückwand, denn sie macht das Aquarium unnatürlich. Ich habe viel ausprobiert und bin bei einer bewährten Praxis hängen geblieben. Ich strich Styroporplatten mit Binderfarbe in verschiedenen Brauntönen. Keine Angst man braucht kein Künstler zu sein um das zu bewerkstelligen. Diese Methode sieht gut aus und spart zudem noch Energie. Damit die Fische immer genug Möglichkeiten haben sich zurück zu ziehen, sollte immer die Rückwand und eine Seitenscheibe mit einer Rückwand versehen sein.

Die Beleuchtung und Heizung:

An die Beleuchtung stellen Cichliden keine gehobenen Ansprüche. Man sollte auf zu grelles Licht verzichten. Bei mir haben sich bestens Tageslichtlampen bewährt, sie erhalten vor allem die natürliche Farbe der Pfleglinge. Bei eine Beckenlänge von 1,50 m reichen zwei Röhren. Da man aus einem Cichliden Aquarium kein Holländisches Pflanzenbecken machen kann sollte auf den Einsatz von Pflanzenlampen verzichtet werden. In manchen Zoogeschäften sieht man Cichliden in leuchtenden (unnatürlichen) Farben, wenn man aber mal genauer hinschaut erkennt man das hier spezielle Blaulichtlampen zum Einsatz gebracht werden. Diese Lampen kommen aus der Seewasser Aquaristik und sind dort auch sicherlich sinnvoll, aber sie haben nichts über ein Barschbecken verloren.

Da unsere Pfleglinge wärmebedürftig sind, müssen wir das Aquarium auch heizen. Hier empfiehlt sich der Einsatz von Stabheizern. Bodenheizungen sind völlig ungeeignet. Bei der Heizleistung gilt die Faustformel, ein Watt pro zwei Liter Wasser.

Die Filter:

Das allerwichtigste bei einem Buntbarschaquarium ist die Filterung. Hier sollte auf keinen Fall gespart werden. Wir sollten beachten das ostafrikanische Cichliden aus Gewässern mit meeresähnlicher Strömung kommen. Das Minimum an Umwälzung beträgt die dreifache Menge des Aquarieninhalts. Bei einem Aquarium von 500 Liter bräuchte man eine Umwälzung von 1500 l/h. Diese Umwälzung erreicht man am besten mit sogenannten Schnellfiltern, die sorgen auch dafür das der grobe Schmutz aufgenommen wird. Es muß aber noch ein Filter für die biologische Aufbereitung des Wassers zum Einsatz kommen. Die besten Erfahrungen habe ich mit im Aquarium eingebauten Filtern gemacht. Entweder man läßt sich den Biofilter von einem Fachmann einbauen oder macht es selbst. Die beste Möglichkeit besteht darin Plexiglas zu verwenden, da es sich am besten bearbeiten läßt. Man trennt ein Teil des Beckens mit einer Scheibe ab. Diese Scheibe ist an einem Ende mit einer Bohrung für den Pumpenkopf versehen die kurz unter der Wasseroberfläche liegen sollte. An der anderen Seite bohrt man mehrere kleinere Löcher im unteren und oberen Drittel, hier wird das Wasser eingesogen. Im inneren werden zwei Trennscheiben eingesetzt die jeweils 2/3 der Gesamthöhe betragen. Die erste Trennscheibe wird so eingesetzt das sie bis zum Boden reicht, und die zweite bündig mit der Oberkante. So wird das Wasser gezwungen durch alle drei Kammern zu fließen. In die mittlere Kammer kann man das Filtermaterial unterbringen, während die erste Kammer den Mulm aufnimmt. In der letzten Kammer sind Pumpenkopf und evtl. Heizung untergebracht. Der Vorteil solcher Biofilter liegt auf der Hand, durch das große Volumen ergeben sich große Standzeiten, er ist leicht zu handhaben und die große Oberfläche bietet genug Platz für Bakterien die dem Schadstoffabbau dienen.

Wasserwerte und Wasserwechsel:

Bei den Wasserwerten muß man zwischen Malawi- und Tanganjikasee differenzieren.

Die Wasserwerte für den Malawisee betragen (PH 7,7 -8,8 / GH 3 - 6 / KH 5 - 8/ Temperatur 23 - 29 Grad Celsius je nach Wassertiefe, in den oberen Bereichen wo, die meisten unserer Cichliden herkommen herrscht eine konstante Temperatur von 27 - 29 Grad Celsius).

Die Werte für pH, GH und KH können problemlos überschritten werden. Bei einer Unterschreitung können allerdings Probleme auftreten.

Für den Tanganjikasee gelten folgende Kriterien: (pH 7, 5 - 9, 3 / KH 15 - 18 / GH 10 - 12 / die Temperatur liegt fast konstant bei 26 Grad Celsius) Bei Tanganjikasee Cichliden darf der PH Wert auf keine Fall unterschritten werden. Die unteren Werte beider Seen sind generell als Minimum anzusehen. Für eine erfolgreiche Haltung und einem gesundem Wachstum ist es erforderlich wöchentlich mindestens ein Drittel des Wassers zu wechseln. Es sollte niemals mehr als 50% des Inhalts gewechselt werden, um das biologische Gleichgewicht nicht zu gefährden.

Die Einrichtung:

Die Einrichtung ist bei Becken für ostafrikanische Cichliden nicht unwichtig. Die meisten Barsche aus den afrikanischen Grabenseen sind Höhlenbewohner, deshalb sollten wir ihnen auch solche zur Verfügung stellen. Hierzu kann man vielerlei Materialien verwenden. Es eignen sich Lavasteine, Lochgestein oder Sandstein. Vor der Verwendung sollte man sich vergewissern das die Materialien schadstoffrei sind. Holz eignet sich wegen seiner negativen Wirkung auf den PH und GH Wert weniger. Man schichtet die Steine im Aquarium so aufeinander das Höhlen in verschiedenen Größen und klare Revierabgrenzungen entstehen. Da Buntbarsche sehr gerne graben und den Bodengrund umschichten, (es ist nicht so schlimm wie es sich anhört) sollten die Aufbauten vorher errichtet und auf Standfestigkeit überprüft werden. Eventuell empfiehlt es sich die Steine mit Silikon zu fixieren.

Als Bodengrund empfiehlt sich eine dicke Sandschicht, der im natürlichen Biotop ebenfalls vorkommt, er ist wie bei allen Aquarien vorher gründlich zu reinigen.

Pflanzen:

Auch wenn im See fast keine Pflanzen vorkommen gibt es doch einige Sorten die sich eignen. Vallisneria sp. ist eine dieser Arten, sollte aber so eingebracht werden das sie nicht entwurzelt werden können. Noch zu empfehlen sind (Ceratophyllum demersum, alle Anubiasarten und einige Cryptocorynen).

Bei der Fütterung sollte man die jeweiligen Ansprüche der Pfleglinge berücksichtigen. Den die Cichliden in den afrikanischen Seen haben sehr unterschiedliche an ihr Futter. Eins gilt allerdings für alle, es sollte abwechslungsreich und nahrhaft sein. Die individuellen Futtergewohnheiten kann man in der Fachliteratur nachlesen.

Wenn man ein Aquarium für ostafrikanische Buntbarsche nach diesen Gesichtspunkten einrichtet, kann man fast jeden Cichlide erfolgreich pflegen. Natürlich gibt es noch den einen oder anderen Unterschied aber die sollte man in Betracht ziehen, wenn man sich für die zu pflegenden Arten entschieden hat.

Über die Zusammensetzung der Fische möchte ich in diesem Artikel nicht näher eingehen, denn das würde den Rahmen sprengen. Vielleicht werde ich das mal in einem späteren Artikel machen.

Sollten noch Fragen offen geblieben sein, stehe ich für Antworten gerne zur Verfügung.


 

© Achim Weber 1/00