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Kalkzugabe im Meerwasseraquarium

Muß es ein Kalkreaktor sein ?


Das Vorwort ist z.Z. auch das Thema im Marin  Diskussionsforum " Aktuell "


Ein Bericht von Leo Gessert, Berlin

Vorwort :

Immer wieder liest man Berichte über die Kalkzugabe im Meerwasseraquarium. Die verschiedensten Methoden werden hierbei angewandt und publiziert. Fast jeder der Autoren ist von der von ihm angewandten Art der Kalkzugabe überzeugt, und kaum irgendwo anders in der Meerwasseraquaristzik ist so viel experimentiert worden, wie gerade auf diesem Gebiet. So möchte auch ich die Gelegenheit nicht verstreichen lassen und meinerseits etwas zu allgemeinen „ Verunsicherung „ beitragen.

Bekanntermaßen läuft der Trend – besonders in den letzten 2 Jahren – in Richtung Kalkreaktor. Hört man sich aber im Kreis der Meeresaquarianer um, so ist es geradezu erstaunlich, wieviele von Ihnen den Kalkreaktor ausprobiert und dann doch wieder in die Ecke gestellt haben. Als Erklärung führen sie dann oftmals an, daß es negative Veränderungen in Ihren Aquarien gegeben hat, die sie auf den Kalkreaktor zurückführen. Anderseits gibt es aber auch Aquarianer, die den Kalkreaktor zur vollsten Zufriedenheit in Betrieb haben.

Lange Zeit tat sich ja gerade in der Meerwasseraquaristik, was die Entwicklung anbelangt, nichts Umwerfendes. So war der Kalkreaktor schon etwas Neues. Und gerade hier haben viele Aquarianer Ihre Probleme. Wer von uns kann denn schon die chemischen Prozesse nachvollziehen, die sich in so einem Kalkreaktor vollziehen? Bestimmt nur wenige, und die übrigen trauen der Sache nicht über den Weg. Hier bleibt man lieber bei „ Alt-bewährtem". Ich gehöre übrigens auch zu den letzteren, denn immerhin kostet ein Kalkreaktor mit allem Zubehör nicht gerade wenig. Jedenfalls zuviel, um ihn nach einem erfolglosem Experiment in die Ecke zu stellen. Besonders im Raum Berlin ist die Methode nach Peter Wilkens – Kalkwasserzugabe mittels Kanister – weit verbreitet. Sie hat sich bis heute bestens bewährt.

Daher möchte ich sie hier noch einmal ganz kurz beschreiben.

Man besorgt sich einen Kanister ( ca. 5Ltr.) mit einem kleinem Auslaufhahn ( kann auch selbst eingeklebt werden ).

Dann mißt man den täglichen Bedarf an Wasser, welches durch die Verdunstung dem Aquarium wieder zugegeben werden muß. In den Kanister gibt man – entsprechend der Wassermenge - einige Löffel Calciumhydroxid. Dann füllt man ihn mit Leitungs- oder Osmosewasser auf und schüttelt Ihn kräftig. Sobald sich das Calciumhydroxid abgesetzt hat, kann man das klare Wasser dem Becken zugeben.

Zu beachten ist, das der Auslaufhahn sich oberhalb des abgesetztem Calciumhydroxids befindet.

Auf dem Kanister kann man eine Markierung anbringen, bis wohin er leerlaufen darf, um den Wasserbedarf im Aquarium zu decken. Als günstig hat sich erwiesen, das Kalkwasser in den frühen Morgenstunden - und möglichst tropfenweise – zuzugeben, da dann die meisten Calcium – Ionen aufgenommen werden können.

Natürlich ist diese Art der Zugabe, das man jeden Morgen den Hahn aufdrehen und täglich den Kanister füllen muß, aber diese Methode hat sich halt in all den Jahren bestens bewährt.

Nun möchte ich aber nichts gegen den Kalkreaktor und über die alte Methode der Kalkwasserzugabe schreiben, sondern darüber, wie man eine Zwischenlösung anwenden kann, d.h., die alte Methode zu verfeinern, ohne finanzielle Klimmzüge zu vollführen.

Bauanleitung:

Hierzu geht man wie folgt vor:

Man besorgt sich eine Plexiglasröhre mit einem Durchmesser von 10 cm ( siehe Zeichnung und Bilder ) .

Die Höhe ist hierbei nicht so wichtig, sollte aber ca. 60 -100cm betragen. Darunter ist wegen der zu geringen Wassermenge ungünstig, eine Höhe über 100cm benötigt eine zu große Pumpenleistung. Am unterem Ende klebt man die Plexiröhre zu.

Dazu verwendet man am besten eine Plexischeibe von ca. 15 x 15 cm, damit die Röhre stabil steht. Am oberen Ende benötigt man zwei weitere Plexischeiben gleicher Größe ( ca. 13 x13 cm ) von denen man eine entsprechend des Umfanges der Plexiröhre ausfräst, um sie dann als sogenannte Halskrause oben über die Röhre zu kleben. Vorher legt man beide Scheiben übereinander und bohrt rundherum 4mm Löcher.

Hat man nun die ausgefräste Plexischeibe eingeklebt, kann man die andere Scheibe mit entsprechend langen Schrauben auf dieser befestigen, um so die Plexiröhre zu verschließen. Um diese auch wirklich dicht zu bekommen, trägt man vorher auf die ein- bzw. aufgeklebte Scheibe rundum etwas Silikon auf. Die sog. „ Deckelscheibe" befeuchtet man etwas mit Spülmittel und drückt sie auf die eingeklebte Scheibe, um das Silikon breitflächig zu verteilen. Nachdem man den Deckel vorsichtig gelöst und gut gereinigt hat, kann man ihn nach abtrocknen des Silikons festschrauben. Einfacher ist es, solche Silikonscheiben im Fachhandel zu kaufen. Allerdings sind sie nur schwer zu bekommen.

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Ist man bis hierher noch nicht entmutigt, kann man nun mit den Bohrarbeiten fortfahren. Einige Zentimeter über dem Röhrenboden benötigt man ein Loch von ca. 20mm Ø . Dort wird ein entsprechendes Rohr eingeklebt, auf welches man einen Schlauch steckt, der an einer Pumpe ( Eheim o.ä. ) angeschlossen wird. Hierdurch wird später das Wasser eingepumpt. In den Deckel bohrt man zwei kleine Löcher von 3 –4 mm Ø . Durch eines dieser Löcher fädelt man das Kabel einer kleinen Pumpe, in das andere klebt man ein kleines Röhrchen, auf welches man einen dünnen Luftschlauch steckt. Nun muß man die Pumpe, welche sich oben in der Röhre befindet, etwa 10-15cm tief in die Röhre einlassen. Dann wird die Öffnung, durch welche das Kabel führt, gut zugeklebt ( z.B. Pattex Stabilit – 2-Komponenten-Kleber) .Auf die Ausströmöffnung der kleinen Pumpe steckt man nun ein geeignetes Rohr, welches bis wenige mm über den Röhrenboden ragt und verbindet die Pumpe mit einer Schaltuhr.Die ander Pumpe legt man in einen größeren Nachfüllkanister ( ca. 30Ltr.), in dem sich klares Wasser befindet und verbindet sie mit einem Schwimmschalter im Filterbecken.

Nun kann man die Röhre mit Calciumhydroxid und Wasser füllen und zuschrauben. Den Luftschlauch bringt man über dem Filterbecken an. Auf das Ende steckt man ein kleines Rückschlagventil. Schaltet der Schwimmschalter die pumpe im Klarwasserbehälter an, drückt diese das Wasser unten in die Plexiröhre. Daduch wird durch den im Deckel befindlichem Luftschlauch Kalkwasser ins Filterbecken gepumpt, allerdings sehr langsam denn der dünnen Luftschlauch bremst die Pumpenleistung drastisch ab. Durch das Rückschlagventil wird verhindert, das nach Beendigung des Pumpenvorgangs Luft in die Röhre gesogen wird und das darin befindliche Wasser in den Klarwasserkanister abfließt.

 

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Hier sieht man das eingeklebte Rohr zur " Klarwasserzugabe

 

Per Zeitschaltuhr beginnt die kleine Pumpe zu arbeiten. Sie saugt Wasser an und stößt es durch das Rohr kurz über dem Boden wieder aus. Dadurch wird das Calciumhydroxid aufgewirbelt und füllt nach kurzer Zeit die Plexiröhre bis zum Ansaugrohr der Pumpe. Darüber befindet sich immer noch einige Zentimeter klares Wasser, so daß im Falle, daß gerade in diesem Moment die andere Pumpe Wasser nachfüllt, kein Calciumhydroxid ins Becken gelangen kann. Günstig ist es, die Pumpe ca. alle 4 Stunden für etwa ½ Stunde laufen zu lassen. Dadurch wird gewährleistet, das sich immer genügend mit Calcium – Ionen angereichertes Wasser in der Plexiröhre befindet.

Nun denkt manch einer, der diesen Artikel liest, das ganze grenzt an Hexerei.Natütrlich bedarf es schon etwas handwerklichem Geschicks, aber es ist halb so kompliziert wie es sich in dem Bericht anhört.Und es ist einmalig. Die Röhre läst sich immer wieder bequem mit frischem Calciumhydroxid nachfüllen. Je nach Verdunstung braucht man nur 1 – 2 x pro Woche den Nachfüllkanister mit Wasser aufzufüllen.Man hat die Gewissheit, daß ständig der Bedarf an Calcium-Ionen dem Aquariumwasser zugegeben wird.

 

Diese Methode ist – wie auch durch die Kanisterzugabe – seit vielen Jahren bewährt. Verständlicherweise kann von mir für Nachbauten keine Produkthaftung übernommen werden. Es hängt vieles vom Geschick des einzelnen ab.

Der finanzielle Aufwand ist gegenüber eines Kalkreaktors relativ gering und das Ergebniss an dem fantastischem Wuchs der Korallen zu sehen.

Ich jedenfalls betreibe diese Art der Kalkwasserzugabe seit nunmehr 2 Jahren und gehöre damit auch zu denen, die von ihrer Methode überzeugt sind.

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Hier sieht man die Säule in betrieb. Die Pumpe hat das Calciumhydroxid aufgewirbelt und bis zum Ansaugrohr der Pumpe hochbefördert.


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