MARIN Berichte - Meerwasser

socorro.jpg (22536 Byte) Islas Socorro: Vorkommensgebiet des Clarion-Kaiserfisches, <Holacanthus clarionensis> in der Baja California..

Der Clarion-Kaiserfisch

Holacanthus clarionensis im natürlichen Habitat und im Aquarium

© Text und Fotos: Robert Fenner

Die Gattung Holacanthus beinhaltet wohl die schönsten Kaiserfische, und der messingfarbene Clarion-Kaiserfisch, Holacanthus clarionensis, gehört gar zu meinen Favoriten. Ist Schönheit sicherlich eine subjektive Einschätzung, so gilt als unbestritten, daß er zu den härtesten Großkaisern zu rechnen ist - wenn er nicht sogar der am leichtesten zu pflegende ist. Leider ist Holacanthus clarionensis aber aufgrund seines isolierten Verbreitungsgebietes und den damit verbundenen hohen Fang- und Transportkosten auch einer der teuersten Kaiserfische.

 

Klassifizierung und Verhalten im natürlichen Habitat

 

Der Clarion-Kaiserfisch, Holacanthus clarionensis, gehört in die Familie der Kaiserfische, Pomacanthidae, die zur Zeit in die sieben Gattungen Apolemichthys, Centropyge, Chaetodontoplus, Genicanthus, Holacanthus, Pomacanthus und Pygoplites eingeteilt wird. Die Gattung Holacanthus enthält momentan acht Arten, von denen jeweils vier im tropischen Atlantik und vier im tropischen Pazifik gefunden werden.

 

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Juveniler Holacanthus clarionensis bei der Islas Socorro.

Das Verbreitungsgebiet des Clarion-Kaiserfisches ist auf den tropischen östlichen Pazifik beschränkt. Hier lebt er vor allem um die vulkanischen Inseln im Südwesten der Baja California: den Islas Revillagigedos, zu denen Roca Partida, die Islas Socorro, San Benedicto und natürlich die Insel Clarion, die diesem Kaiserfisch den Namen gegeben hat, gehören. Ich selbst habe ihn in geringer Zahl an der südlichsten Spitze der Baja von Cortez Corner bis nach Cabo Pulmo gefunden. Es wird aber vermutet, daß man den Clarion-Kaiserfisch bis hinunter nach Cocos, Costa Rica und im Südwesten bis Clipperton Island antrifft. Seine bevorzugte Tiefenverbreitung ist das Flachwasser bis in etwa 30 bis 40 m Tiefe.

Im Meer hat der Clarion-Kaiserfische meines Wissens keine bis heute bekannten Freßfeinde. Selbst in Magenanalysen von z. B. Haien oder Thunfischen sind sie nicht in signifikanten Mengen gefunden worden. Man vermutet daher, daß sie aufgrund ihrer "warmen" Färbung und ihres frechen und dreisten Auftretens von allen anderen, auch größeren Fischen, die mögliche Freßfeinde darstellen könnten, respektiert werden. Es ist aber durchaus möglich, daß sie nachts in ihren Schlafhöhlen von größeren Krebsen aufgestöbert und dann gefressen werden (dies ist im übrigen die Methode der Wahl, wie wir zahlreiche Clarion-Kaiserfische für den Handel fangen, indem wir die schlafenden Tiere nachts regelrecht "einsammeln"). Also seien Sie vorsichtig bei einer Vergesellschaftung dieses Kaiserfisches mit größeren Krabben. Dagegen eignen sich andere Wirbellose, z. B. Seesterne oder Seeigel, durchaus für eine Vergesellschaftung - solange sie nicht in das Futterschema des Clarion-Kaiserfisches passen.

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Das linke Foto zeigt einen Clarion-Kaiserfisch in Jugendfärbung, das rechte Foto ein adultes Tier.

Die Laichzeit des Clarion-Kaiserfisches fällt in das Frühjahr und den Herbst. Ich konnte das Ablaichen bei der vulkanischen Inselgruppe Islas Revillagigedos beobachten. Hier sammeln sich einzelne Paare oder Gruppen, aus denen dann Paare zur Wasseroberfläche schwimmen, um ihre Geschlechtsprodukte auszustoßen. Die Geschlechter sind durchaus zu unterscheiden: Die Weibchen sind größer, von der Form runder und weniger intensiv orange gefärbt.

Aquarienpflege

Der Clarion-Kaiserfisch ist das typische Beispiel für einen Fisch, der unter optimalen Bedingungen leicht an ein Aquarium eingewöhnt werden kann. Leider reagiert er aber auf Streß, insbesondere auf Streß, der durch erhöhte Temperaturen hervorgerufen wird, sehr empfindlich. Clarion-Kaiserfische, die über einen längeren Zeitraum zu hohen Temperaturen ausgesetzt sind, können zwar gesund erscheinen, sind in der Regel jedoch Todeskandidaten. Diese Tatsache konnte ich leider schon des öfteren beobachten. Werden sie nach dem Fang oder beim Exporteur falschen Temperaturen ausgesetzt, kann das bereits ausreichen, um sie langfristig so zu schädigen, daß sie eingehen. Diese Beobachtung spricht wieder einmal dafür, keine frischimportierten Fische zu kaufen, sondern sie beim Händler über einen längeren Zeitraum zu beobachten, um Ausfälle im heimischen Aquarium zu vermeiden.

Will man einen Holacanthus clarionensis pflegen, so gilt: je größer das Aquarium und je zahlreicher die Versteckmöglichkeiten in Form von Ritzen und Spalten, desto besser! Ich habe zwar schon des öfteren kleinere, junge Individuen dieser Art in kleineren Aquarien gepflegt, jedoch sind meiner Meinung nach große Aquarien stabiler und besser zu pflegen. Eine Faustregel, die sich bei mir immer wieder bewährt hat, lautet: 40 l Aquarienwasser auf 2,5 cm Kaiserfisch.

 

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Eine Seltenheit: Holacanthus griffisi. Foto: Dr. D. Brockmann

Wie bei allen Kaiserfischen sollte bei der Pflege des Clarion-Kaiserfisches das Wasser klar und unbelastet sein. Ein besonders wichtiger Punkt für seine erfolgreiche Pflege scheint mir die Salzdichte des Aquarienwassers zu sein. Meiner Meinung nach hat man den besten Pflegeerfolg bei einer Dichte zwischen 1,022 und 1,025. Nicht nur der Fachhandel, sondern auch viele Hobbyaquarianer neigen dazu, ihre Aquarien mit einer verminderten Dichte zu betreiben, um einerseits die Kosten zu kontrollieren/limitieren (ein wichtiger Punkt insbesondere bei den Importeuren und Großhändlern), die Löslichkeit von Sauerstoff und damit die Kapazität an pflegbaren Fischen zu erhöhen und andererseits die Lebensbedingungen für Parasiten und krankheitsverursachende Organismen zu vermindern. Aber auf welche physiologischen Kosten der Fische geht das? Meiner Meinung nach werden viele Fischarten unter zu hohen, zu niedrigen oder ständig wechselnden Dichten gepflegt. Dies mögen Arten der Gezeitenzone durchaus akzeptieren, da sie ständig wechselnde Umweltbedingungen von Natur aus gewöhnt sind und sich daran angepaßt haben. Fische, wie der Clarion-Kaiserfisch, die aber unter konstanten Umweltbedingungen leben, mögen dies nicht. Sie sind gegen unnatürliche Dichten und Dichteschwankungen genauso empfindlich wie die Parasiten, die sie befallen. Mein Vorschlag lautet daher, die Dichte für den Clarion-Kaiserfisch - wie weiter vorne beschrieben - zwischen 1,022-1,025 konstant zu halten.

tricolor.jpg (13793 Byte) Die Felsenschönheit ("Rock Beauty"), Holacanthus tricolor, im Aquarium. Foto: G. Zurlo

Mit der Vergesellschaftung des Clarion-Kaiserfisches verhält es sich, wie bei allen anderen Großkaisern. Clarion-Kaiserfische streben immer die Alpha-Position im Aquarium an und bekämpfen daher Artgenossen oder andere Kaiserfischarten vergleichbarer Größe. Ein Punkt soll an dieser Stelle aber nicht unerwähnt bleiben: Im Meer kann man durchaus größere Schwärme des Clarion-Kaiserfisches antreffen (Allen, 1978). Hier kommt es dann bei Rangkämpfen in der Regel nur zu zufälligen Verletzungen durch die Vorkiemenstacheln oder die harten Rückenflossenstacheln. Manchmal sind wir in unseren Händleraquarien ebenfalls gezwungen, über einen kürzeren Zeitraum (Tage bis einige wenige Wochen) eine hohe Individuendichte des Clarion-Kaiserfisches in einem Hälterungsbecken zu pflegen. Hier gilt das gleiche wie im natürlichen Habitat. Nur selten sind unter diesen Bedingungen Verletzungen zu finden. Anders wäre das von Allen (1978) publizierte Foto auch nicht zu erklären.

@ Holacanthus clarionensis sollte nicht als einziger Fisch in einem Aquarium gepflegt werden. Andererseits sollte er allerdings auch nicht der erste Fisch sein, der in das Aquarium eingesetzt wird, da er sonst alle Neuankömmlinge permanent bekämpft. Ich schlage daher vor, Holacanthus clarionensis als einen der letzten Fische in etablierte und stabile Aquariensysteme einzugewöhnen.

Clarion-Kaiserfische können durchaus als Allesfresser bezeichnet werden, die den ganzen Tag über in ihrem natürlichen Lebensraum auf Nahrungssuche sind. Sie sind ausgesprochen neugierig und versuchen alles, was nur irgendwie freßbar erscheint, anzuknabbern. Nach Moenich (1990) sollte im Aquarium häufig pflanzliche Kost in Form von frischen oder tiefgekühlten Erbsen gereicht werden. Ich persönlich füttere regelmäßig Algen. Die Fütterung von Salat, welcher Sorte auch immer, ist zu vermeiden. Salat besitzt praktisch keine für den Clarion-Kaiserfisch verwertbaren Nährstoffe. Nach Campbell (1981) verhindert eine ausreichende Ernährung mit pflanzlicher Nahrung außerdem Blindheit aufgrund von Vitaminmangel. Er schlägt mit Recht vor, daß pflanzliche Kost 50 % oder mehr der Nahrung für den Clarion-Kaiserfisch ausmachen sollte.

Ist Futter kontinuierlich verfügbar, wird Holacanthus clarionensis im Aquarium bald genauso robust aussehen, wie in seinem natürlichen Habitat. Das Futter sollte mehrmals täglich - gemäß seiner Ernährungsweise im Meer - gereicht werden, so daß er regelmäßig kleine Mahlzeiten zu sich nehmen kann. Für diese Art der Fütterung eignen sich insbesondere Muschelfleisch und Granulattrockenfutter. Auch scheinen mir Futtersorten, die auf Schwammbasis (Schwämme decken einen Großteil seines Nahrungsbedarfs im Meer) beruhen, sehr wichtig zu sein. Dies ist eine Tatsache, die für viele Großkaiser zutrifft. Futter, das auf Schwammbasis beruht, ist ein absolutes Muß, um die phantastische Farbe und den allgemeinen Gesundheitszustand zu erhalten.

Stark von Parasiten befallene Clarion-Kaiserfische behandele ich mit Süßwasserbädern, denen Furane, insbesondere Nitrofurazon, zugesetzt wurden. Ein mit dem Futter gereichtes Breitbandantibiotikum, das gegen gramnegative Bakterien gerichtet ist, hat bei Folgebehandlungen gute Dienste geleistet.

 

Schlußbetrachtung

Nachdem ich über Jahre hinaus Tausende von Clarion-Kaiserfischen gesammelt, importiert und verkauft habe und niemals Probleme mit ihrer Eingewöhnung oder Pflege hatte, bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß es sich aufgrund seiner Härte und seiner besonderen Schönheit um einen idealen Bewohner für Fischbecken handelt. Falls sie erben oder in der Lotterie gewinnen sollten, versuchen sie es doch einmal mit seiner Pflege. Sie werden es nicht bereuen.

 

Literatur

Allen, G. (1978): Falter- und Kaiserfische, Band. II. Mergus Verlag, Melle.

Campbell, D. (1981): Marines: their care and keeping, Holacanthus-Apolemichthys. FAMA 3: 81.

Moenich, D. R. (1990): Marine angelfish: Holacanthus. Aquarium Fish Magazine (8).

Weiss, M. (1986): The cosmopolitan clarion. T. F. H. (9): 86.

 

Text und Fotos mit freundlicher Genehmigung des Birgit Schmettkamp Verlages


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© Achim Weber 4/98