MARIN Berichte - Meerwasser

Garnelen und Einsiedlerkrebse

können nützliche Helfer im Riffaquarium sein

Text: Daniel Heerz _________________

Es sind nicht nur die Fische, die ein Riffaquarium durch ihre Aktivität beleben. Neben ihnen ergänzen die oftmals nicht minder attraktiven Garnelen, Einsiedlerkrebse, Schnecken, Seesterne und Seeigel den Lebensraum Meerwasser – Aquarium. Garnelen und Einsiedlerkrebse, über die in diesem Artikel berichtet wird, sind aber nicht nur interessante Lebewesen, sondern erfüllen darüber hinaus auch wichtige biologische Funktionen in einem Riffaquarium.

------Garnelen---------------------------------

Nachfolgend möchte ich einige Garnelen – Arten vorstellen, die für das biologische Milieu eines Riffaquariums sehr wichtig sind, da sie unter anderem dabei helfen, das Aquarium von Futterresten zu befreien.

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Indo – Pazifische Weißband – Putzergarnele, Lysmata amboinensis, und links oben die Gemeine Tanzgarnele, Rhynchocinetes uritai.                  
Foto: G. Zurlo

 

Erschrecken Sie aber nicht, wenn eines morgens die leblose Hülle einer Garnele auf dem Boden des Aquariums liegt. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat sich dann eine der Garnelen gehäutet. Da ihre Außenhaut nicht mitwächst, müssen sie sich, gleich den Schlangen, in regelmäßigen Abständen häuten. Bei dieser Prozedur werden gleichzeitig verlorengegangene Gliedmaßen ersetzt. Die neue Außenhaut ist in den ersten Stunden noch weich. Daher stellen frisch gehäutete Tiere für Freßfeinde eine leichte Beute dar. Garnelen häuten sich deshalb in der Regel nur nachts in ihrem Versteck.


Indo – Pazifische Weißband – Putzergarnele,

Lysmata amboinensis

Das erste, was meine Freundin zu dieser Garnele sagte, war "Igitt". Irgendwie kam ihr das unbekannte Wesen mit den langen dünnen Beinen und Fühlern nicht ganz geheuer vor.

 

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Die gemeine Tanzgarnele, Rhynchocinetes uritai, schaut neugierig aus ihrem Versteck hervor.
Foto: G. Spies

 

Aber mit der Zeit hat sie ihre Scheu vor der wunderschönen Indo – Pazifischen Weißband – Putzergarnele abgelegt. Erst wenn man sich so eine Garnele einmal längere Zeit aus der Nähe anschaut, erkennt man ihre ganze Schönheit. Der Rücken ist rot und besitzt ein zentrales weißes Band, das für den Populärnamen der Garnele verantwortlich ist. Ihre Beingliedmaßen und ihr Unterkörper sind gelblich, während die langen Fühler wiederum weiß gefärbt sind.

Lysmata amboinensis kann sehr leicht mit der Atlantischen Weißband – Putzergarnele L. grabhami verwechselt werden. Jedoch kann eine Unterscheidung relativ sicher auf Grund der Schwarzfärbung erfolgen: L. grabhami besitzt ausgehend vom Kopf bis zum Schwanzende ein durchgehendes, weißes Band, das bei L. amboinensis am Schwanzanfang unterbrochen ist. Außerdem ist bei der Indo – Pazifischen Weißband – Putzergarnele das weiße Band am Rückenende verbreitert und der Schwanz besitzt vier distinkte weiße Flecken. Ein weiteres wichtiges Unterscheidungskriterium ist die Herkunft. Wie schon der Name sagt, ist das Verbreitungsgebiet der Atlantischen Weißband – Putzergarnele auf den gesamten tropischen Weißband – Putzergarnele auf den gesamten tropischen und warm – gemäßigten Ost – und Westatlantik beschränkt, wogegen die Indo – Pazifische Weißband – Putzergarnele im gesamten Indo – Pazifik, einschließlich des Roten Meeres, vorkommt. Interessant ist das Putzverhalten von Lysmata amboinensis. Mit den langen Fühlern wird den Fischen die Putzbereitschaft signalisiert. Diese schwimmen dann bei Bedarf zu dem Stammplatz der Garnele, der "Putzstation", um sich hier unter anderem von Parasiten befreien zu lassen. Dieses Verhalten macht die Indo – Pazifische Weißband – Putzergarnele zu einem beliebten Studienobjekt im Aquarium, zumal sich ihre Pflege als ziemlich unproblematisch gestaltet.

Es gibt Hinweise darauf, daß alle Lysmata – Arten zeit ihres Lebens echte Zwitter sind. Ersteht man also zwei Tiere, kann man mit Recht hoffen, regelmäßig kleine Garnelenlarven im Aquarium zu finden. Die Aufzucht der Larven ist bereits gelungen, birgt aber dennoch einige Schwierigkeiten.

Es bleibt noch zu erwähnen, das einzeln gepflegte Exemplare wesentlich scheuer im Aquarium leben als ein Pärchen oder eine kleine Gruppe.


Kardinalsgarnele, Lysmata debelius

Die Kardinalsgarnele, Lysmata debelius, gehört wie die zuvor beschriebene Art zur Familie Hippolytidae. Sie ist aber seltener im Handel anzutreffen. Die Tiere gelangen aus tieferem Wasser zu uns. Im Riff leben sie meist erst in Biotopen unter 20 m. Das erklärt auch ihren relativ hohen Preis, denn die Kardinalsgarnelen müssen in der Regel von Tauchern, die mit Atemgeräten ausgerüstet sind, gefangen werden.

Lysmata debelius lebt im Aquarium sehr zurückgezogen. In der Anfangszeit wird man sie kaum zu Gesicht bekommen. In meinem Raumteiler – Aquarium haben zwei Exemplare eine Höhle bezogen, die ich von beiden Seiten einsehen kann. Dadurch kann ich meine kleinen Juwelen regelmäßig beobachten. Als Futter nehmen die Kardinalsgarnelen alles, was angeboten wird. Sie sind somit hervorragende Restevertilger, die in größeren Aquarium auch ohne zusätzliche Fütterung gepflegt werden können.

Die Umgewöhnung frischgekaufter Garnelen muß sehr langsam erfolgen. Zu schnelles Umsetzen kann bei allen Garnelen – Arten aufgrund ihrer Empfindlichkeit gegenüber Dichteschwankungen zu Verlusten führen.

Lysmata debelius gilt ebenfalls als Putzergarnele. Jedoch ist nach meinen Beobachtungen das Putzverhalten, insbesondere gegenüber Kleinfischen, nicht so stark ausgeprägt, wie bei L. amboinensis. Auch bei L. debelius gelangen erste Zuchtversuche.

 

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Kardinalsgarnele, Lysmata debelius
Foto: Daniel Heerz

Rotweiß – Gebänderte Scherengarnele, Stenopus hispidus

Große Scheren und imposante lange Fühler besitzt die gespenstisch aussehende Rotweiß – Gebänderte Scherengarnele, Stenopus hispidus. Die getrenntgeschlechtlichen Tiere leben sehr revierbetont. Daher sollten sie einzeln, besser aber als Paar, gepflegt werden. Setzt man zwei gleichgeschlechtliche Rotweiß – Gebänderte Scherengarnelen in das gleiche Aquarium, wird das mit dem Tod der schwächeren enden. Da die Geschlechtsunterschiede gut ausgeprägt sind, kann man sich aber leicht ein Pärchen zusammenstellen. Die Weibchen sind größer als die Männchen. Außerdem sind die erwachsenen Männchen deutlich schlanker als die Weibchen. Ein weiteres gutes Unterscheidungsmerkmal sind die grünlichen Eierstöcke, die deutlich unter dem transparenten Rückenpanzer der Weibchen zu erkennen sind.

Leider vergreifen sich die schönen Stenopus hispidus manchmal an kleineren Fischen. So entkam in meinem Aquarium ein neu eingesetzter Anemonenfisch (Länge 2 cm ) der Garnele nur knapp mit abgezwickter Schwanzflosse.

Rotweiß – Gebänderte Scherengarnelen putzen auch größere Fische. In ihren Pflegeansprüchen sind sie den vorher beschriebenen Garnelen gleichzusetzen.

 

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Männchen der Rotweiß – Gebänderten Scherengarnele, Stenopus hispidus, im Aquarium von B. Gößele, Ulm.
Foto: Dr. D. Brockmann

 

------Einsiedlerkrebse-------------------------

Einsiedlerkrebse tragen zeit ihres Lebens als Schutz vor Freßfeinden ein Schneckengehäuse auf dem weichen Hinterleib. Dieses Verhalten macht sie zu besonderen Vertretern innerhalb der gesamten Krebstiere. Es gibt sogar einige Einsiedlerkrebs – Arten, die zu ihrem Schutz stark nesselnde Anemonen auf den Schneckenhäusern tragen. Ziehen diese Einsiedlerkrebse in neue, größere Schneckenhäuser um, so werden die Anemonen vorsichtig abgelöst und auf dem neuen Gehäuse angesiedelt.

In meinem Aquarium krabbeln derzeit vier verschiedene Einsiedlerkrebs – Arten. Alle haben sich in der Pflege bewährt, und ich konnte noch nicht beobachten, daß Wirbellose angeknabbert wurden. Warnen möchte ich jedoch vor dem räuberisch lebenden Weißflecken – Einsiedlerkrebs, Dardanus megistos. Er ist ein größerer Einsiedlerkrebs – etwa um die 15 cm -, der durch seine Knackschere und die knallig dunkelrote Farbe schon auffällt. D. megistos ist ein arger Räuber, der in einem Spezialaquarium gepflegt werden sollte. Ansonsten werden im Laufe der Zeit fast alle festsitzenden Korallen verspeist. Bei einem befreundetem Aquarianer wurden selbst Glasrosen gefressen.

Neben drei tropischen Arten pflege ich eine Einsiedlerkrebs – Art, die ich mir bei Korfu im Mittelmeer selber gefangen habe. Meiner Meinung nach sind diese Einsiedlerkrebse genauso gut haltbar, wie tropische Arten. Als Mittelmeerurlauber kann man solche Einsiedlerkrebse leicht selber sammeln. An steinigen und algenbewachsenen Küstenabschnitten findet man tagsüber unter großen Steinen größere Ansammlungen von ihnen. Feuchtgehalten überstehen die Tiere die Heimfahrt in Plastikbeuteln problemlos. Jedoch sollte man sich davor hüten zu viele Einsiedlerkrebse zu sammeln. Zehn Exemplare sind für ein etwa 200 l fassendes – Aquarium meist ausreichend.

Die meisten kleinen Einsiedlerkrebse sind hervorragende Algenfresser. Nach Abschalten der HQI – Beleuchtung, teilweise aber auch bei Tage, schaben sie Algen vom Substrat. Auch Futterreste werden zielstrebig ausfindig gemacht und verwendet. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß man immer genügend freie Schneckenhäuser im Aquarium haben muß, sonst kann es bei den Kämpfen um die Schneckenhäuser zu Kannibalismus bei den wachsenden Einsiedlerkrebsen kommen.

 

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Zum Schutz ihres weichen Hinterteils beziehen Einsiedlerkrebse leere Schneckenhäuser.
Foto: G. Zurlo

 

Text und Fotos mit freundlicher Genehmigung des Birgit Schmettkamp Verlages


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© Achim Weber 2/98